Gemüseanbau: Fruchtwechsel im Gemüsegarten

Fruchtwechsel – häufig fällt der Begriff, wenn man sich damit beschäftigt, wie man sich einen Gemüsegarten anlegen kann. Doch was bedeutet „Fruchtwechsel“ und warum ist diese Form der Gartenplanung gerade für Gemüsebeete so relevant?

Mit dem „Fruchtwechsel“ bezeichnet man einen jährlich wechselnden Anbau von Nutzpflanzen auf einem Beet. Die Gründe, jährlich wechselnde Pflanzen auf einer Fläche anzupflanzen, hängt mit drei positiven Aspekten zusammen: Ein gut geplanter Wechsel beugt Schädlingen vor, kann zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit beitragen und zu einer ertragreicheren Ernte führen. Meist tritt der Fruchtwechsel im Kontext einer Mehrfelderwirtschaft auf und findet seinen Ursprung in der Bestellung von landwirtschaftlichen Flächen.

Warum macht man einen Fruchtwechsel?

Um die Entstehung des Fruchtwechsels und damit auch der Mehrfelderwirtschaft zu betrachten, treten wir zunächst einen Schritt zurück. Bereits in der Antike war eine Zweifelderwirtschaft üblich. Während auf dem einen Feld Getreide angebaut wurde, lag das andere Feld brach. Im darauffolgenden Jahr wurden die Felder gewechselt. Nun stand das vorher bepflanzte Feld leer, um sich zu erholen und zu regenerieren, während auf dem zuvor brach liegenden Feld Getreide angebaut wurde. Später wurde die Dreifelderwirtschaft populär, da hier nur ein Drittel der Fläche leer bleiben musste. Bei dieser Bewirtschaftung wurden im jährlichen Wechsel zwei Felder bebaut, während das dritte pausierte.

Mitte des 18. Jahrhunderts begann man die brach liegende Fläche mit speziellen, bodenverbessernden Pflanzen zu bepflanzen. Damit wurde zu einer aktiven Erholung des Bodens beigetragen, da dem Boden durch diese Pflanzen wieder mehr Nährstoffe, insbesondere Stickstoff, zur Verfügung gestellt wurde. Diese Form der Bodenerhaltung wird heutzutage als „Gründüngung“ bezeichnet. Ein Pionier dieser effizienten und bodenschonenden Landwirtschaft war Schubart, Edler von dem Kleefelde.

Reiche Chili-Ernte durch gute Pflege

Fruchtwechsel im Gemüsegarten

Auch in der heutigen, nachhaltigen Landwirtschaft spielt der Fruchtwechsel eine bedeutende Rolle. Mittlerweile wird sie auch von Hobbygärtnern im privaten Gemüsegarten praktiziert, um den Boden zu schonen und eine optimale Nährstoffausnutzung zu erreichen.

Meist folgt man hier einer Vierfelderwirtschaft: Im jährlichen Wechsel werden vier Beete mit unterschiedlichen Gemüsepflanzen angebaut, wobei auf dem vierten Beet mit einer Gründüngung zur Bodenverbesserung beigetragen wird. Hat man nur ein Gemüsebeet zur Verfügung, ist es – gerade, wenn man den Sommer über viele verschiedene Gemüsesorten ernten möchte – sinnvoll, eine Mischkultur mit verschiedenen Nutzpflanzen anzulegen.

Besonders erfolgsversprechend ist eine Mischkultur!

Die Vorteile des Fruchtwechsels

Neben der Vorbeugung der Nährstoffausdünnung im Boden führt der Fruchtwechsel auch zu einer ertragreicheren Ernte. Werden beispielsweise in jedem Jahr Tomaten an den gleichen Standort gepflanzt, kann der Mangel an bestimmten Nährstoffen im Boden dazu führen, dass die Tomaten weniger Früchte bilden. Des Weiteren haben Schädlinge durch den Anbau der immer gleichen Pflanzen ein leichtes Spiel. Schnell kann es da passieren, dass Schädlinge, die überwintert haben, im Frühjahr ausbrechen und kurzerhand alle jungen Pflanzen befallen. Daher beugt der Fruchtwechsel im Gemüsegarten einem Befall von Schädlingen vor. Um in den Genuss dieser Vorteile zu kommen, muss man jedoch zwei wichtige Punkte beachten.

1. Auf Pflanzenfamilien achten

Man muss auf die Verträglichkeit der Pflanzen beziehungsweise auf die botanischen Verwandtschaften achten. Denn Pflanzen einer Familie wie Tomaten, Kartoffeln oder Paprika sollten besser nicht an aufeinanderfolgenden Jahren auf die gleiche Stelle gepflanzt werden. Denn im Boden können Schädlinge, die sich auf diese Pflanzenfamilien spezialisiert haben, überwintern und direkt im Frühjahr die jungen Pflanzen befallen. Pflanzt man jedoch Nutzpflanzen einer anderen Familie kann man diesen Schädlingsbefall verhindern. Allerdings besteht bei veredelten Pflanzen in der Regel ein deutlich geringeres Ansteckungsrisiko, da die Wurzeln bei veredelten Pflanzen robuster und widerstandsfähiger sind. Man kann daher auf ein Beet, auf dem im Jahr zuvor Tomaten standen, auch im nachfolgenden Jahr wieder Tomaten pflanzen.

Pflanzen einer Familie, die man nicht mehrfach hintereinander auf die gleiche Stelle anpflanzen sollte:

Pflanzenfamilie  
Kreuzblütler Steckrübe, Pak Choi, Rettich, Radieschen, Kohlarten wie Weißkohl, Rotkohl, Kohlrabi, Rosenkohl oder Brokkoli
Doldenblütler Möhre, Sellerie, Fenchel, Pastinake, Petersilie, Dill, Kerbel, Koriander, Kümmel
Schmetterlingsblütler Erbsen, Bohnen, Klee, Lupine, Wicken, Luzerne
Lippenblütler Fast alle Kräuter
Liliengewächse Zwiebel, Lauch, Schnittlauch, Knoblauch, Spargel
Gänsefußgewächse Spinat, Rote Bete, Mangold
Korbblütler Artischocke, Schwarzwurzeln, Kopfsalat, Eissalat, Endivien, Chicorée, Radiccio, Löwenzahn
Kürbisgewächse Gurke, Melone, Kürbis, Zucchini
Nachtschattengewächse Tomate, Paprika, Aubergine, Kartoffel, Pepino

2. Auf Nährstoffbedarf achten

Der Nährstoffbedarf der Pflanzen ist ausschlaggebend für die Reihenfolge der Bepflanzung: Im ersten Jahr, wenn der Boden noch frisch gedüngt ist, werden Starkzehrer wie Tomaten, Kürbisse oder Zucchini gepflanzt. Im zweiten Jahr folgen die Mittelstarkzehrer, zu denen beispielsweise Gurken, Mohrrüben oder Kartoffeln gehören. Im dritten Jahr kann dann eine Pflanze gepflanzt werden, die nur wenig Nährstoffe benötigt. Zu den Schwachzehrern zählen unter anderem Buschbohnen, Erbsen, Kräuter oder Pastinaken. Im letzten Jahr folgt die Gründüngung mit bodenverbessernden Pflanzen wie Perserklee, Gelbsenf, Luzerne oder Lupinen. Statt der Gründüngung kann man aber auch auf Kompost, Hornspäne oder Hornmehl zurückgreifen, die in den Boden eingearbeitet werden.

Nährstoffbedarf von Pflanzen

Starkzehrer Mittelstarkzehrer Schwachzehrer Pflanzen für die Gründüngungen
Tomaten Chicorée Buschbohnen Perserklee
Zucchini Endivie Erbsen Alexandriner-Klee
Kohlarten wie Brokkoli oder Rotkohl Kartoffel Radieschen Ackerbohnen
Lauch Knollenfenchel Rote Beete Feldsalat
Paprika Kohlrabi Salat Spinat
Pepino Möhren Spinat Gelbsenf
Knollensellerie Rettich Zwiebel Luzerne
Kürbis Schwarzwurzeln Kräuter wie Basilikum, Koriander oder Majoran Lupinen
Kartoffeln Mangold Pastinaken  
Melone Fenchel Kresse  
Auberginen Knoblauch Feldsalat  
Artischocken Gurken    
  Topinambur    

Diese Einteilung hängt vor allem vom Stickstoffbedarf der Pflanzen ab. Ist der Stickstoffanteil im Boden relativ hoch, fühlen sich Starkzehrer besonders wohl, Aussaaten hingegen vertragen diese Konzentration nicht und auch Schwachzehrer benötigen einen nährstoffärmeren Boden, weshalb sie auch nicht auf frisch gedüngte Beete gepflanzt werden sollten.

Wovon hängt der Nährstoffgehalt im Boden ab?

Der Nährstoffreichtum des Bodens hängt unter anderem von dem Kohlen-Stickstoff-Verhältnis ab: Je mehr Stickstoff im Boden ist, desto schneller werden Rückstände von Bodenlebewesen umgewandelt. Um den Nährstoffgehalt zu erhöhen, pflanzt man daher beim Fruchtwechsel auch bodenverbessernde Kulturen wie Lupinen, Klee oder Luzerne (Leguminosen) an. Durch den Anbau dieser Pflanzen wird der Boden mit Stickstoff aus der Luft angereichert. Nach dieser Phase der Gründüngung können dann wieder Starkzehrer auf das Beet gepflanzt werden.

Tomaten gehören zu den stark zehrenden Pflanzen

Fruchtwechsel im Gemüsegarten – so geht’s

Wenn man eine größere Fläche zur Verfügung stehen hat, kann man diese in vier Parzellen unterteilen. Jede Einzelfläche wird nun mit je einer bestimmten Pflanze bepflanzt, die im Laufe der vier Jahre um ein Beet weiterrückt. Es handelt sich also quasi um Monokulturen auf kleiner Fläche, die jährlich das Beet wechseln. Nach vier Jahren beginnt der Kreislauf dann wieder von vorne – oder man pflanzt andere Gemüsesorten ins Beet.

Fruchtwechsel – Vierfelderwirtschaft

In dem abgebildeten Beispiel-Gemüsegarten werden beispielsweise stark zehrende Tomaten (Nachtschattengewächs) auf ein Beet gepflanzt. Auf dem zweiten Beet folgen mittelstarkzehrende Gurken (Kürbisgewächs) und auf dem dritten Beet wachsen Erbsen (Schmetterlingsblütler). Das vierte Feld wird mit bodenverbessernden Pflanzen bepflanzt, sodass es im kommenden Jahr mit genügend Nährstoffen angereicht ist, sodass sich hier wieder die Starkzehrer wohlfühlen können. Statt der Tomaten kann man auch Paprika oder Auberginen anpflanzen, statt der Gurken Mangold, Spinat oder Rote Beete und statt der Erbsen können Bohnen, Zwiebeln, Lauch oder Spargel gepflanzt werden.

Statt Monokultur: Mischkultur

Neben der Monokultur gibt es auch noch die Mischkultur. Hierbei werden verschiedene Pflanzen auf einem Beet gleichzeitig angepflanzt. Dies hat vor allem drei Vorteile:
1) eine deutlich bessere Ausnutzung der Nährstoffe,
2) ein höherer Schutz vor der Ausbreitung von Schädlingen und
3) eine größere Vielfalt bei der Ernte.
Denn nun hat man nicht nur ein Beet mit Tomaten, sondern beispielsweise ein Beet mit drei Tomatenpflanzen, einer Zucchini, vielen Möhren und etwas Mangold und Rotkohl.

Bei dieser gemischten Bepflanzung muss man jedoch verschiedene Punkte berücksichtigen wie den Nährstoffbedarf, die Familienzugehörigkeit und die Verträglichkeit der Pflanzen untereinander. Eine übersichtliche Auflistung der zu beachtenden Aspekte und viele hilfreiche Tipps zur Mischkultur findest Du in diesem Artikel zur Mischkultur im Gemüsebeet.

Mischkultur mit Salat und Mangold

Mischkultur und Fruchtwechsel im Gemüsegarten kombinieren

Um die positiven Aspekte des Fruchtwechsels im Gemüsegarten mit den Vorteilen der Mischkultur zu vereinen kann man beide Kulturmethoden miteinander kombinieren. Ein großer Vorteil, der sich aus dieser Kombination ergibt, ist, dass die Regeln bezüglich der Verwandtschaft und des Nährstoffbedarfs lockerer gesehen werden können!

So könnte ein Fruchtwechsel im Gemüsegarten mit vier gemischt bepflanzten Beeten aussehen:

Mischkultur und Fruchtwechsel im Gemüsegarten mit 4 Beeten

In diesem Gemüsegarten wurden auf dem ersten Beet folgende Pflanzen gepflanzt:

  1. Tomaten (Nachtschattengewächs)
  2. Zucchini (Kürbisgewächs)
  3. Artischocken (Korbblütler)
  4. Mangold (Gänsefußgewächs)

Bei diesen Pflanzen handelt es sich vorwiegend um Starkzehrer, nur Mangold ist eher ein Mittelstarkzehrer. Dadurch dass auf dem ersten Beet vorher eine Gründung stattfand – oder dadurch dass das Beet mit frischer Erde und Langzeitdünger aufgearbeitet wurde, sollten lieber keine Schwachzehrer gepflanzt werden. Für sie ist der Boden zu nährstoffreich. Möchte man trotzdem das ein oder andere Kraut oder den ein oder anderen Salat pflanzen, sollte man sie bei der regelmäßigen Versorgung der Starkzehrer mit Flüssigdünger aussparen.

Alle Pflanzen stammen aus unterschiedlichen Familien, sodass eine Übertragung von Schädlingen, die es auf Pflanzen einer Familie abgesehen haben, vermieden wird. Zudem sind alle Pflanzen harmonische Partner, sodass auch hier keine unglücklichen Koexistenzen entstehen, die die Vitalität und den Ernteerfolg mindern könnten.

Zucchini ‘Zodiac’ gehört zu den beliebtesten Zucchinisorten

Auf dem zweiten Beet gibt es eine Mischung aus stärkeren und weniger stark zehrenden Pflanzen: So sind die Kartoffelpflanzen, die in diesem Jahr dort wachsen, wo vorher der Mangold angebaut wurde, Starkzehrer, während Bohnen, Bohnenkraut und Eisbergsalat weniger Nährstoffe benötigen.

  1. Eisbergsalat (Korbblütler)
  2. Bohnenkraut (Lippenblütler)
  3. Bohnen (Schmetterlingsblütler)
  4. Kartoffeln (Nachtschattengewächs)

Insbesondere Bohnenkraut und Bohnen harmonieren sehr gut miteinander und auch Kartoffeln und Bohnen leben in guter Nachbarschaft zusammen.

Bohnenkraut und Bohnen bilden nicht nur auf kulinarischer Ebene eine perfekte Einheit

Auf dem dritten Beet wird eine Mischung aus Mittelstarkzehrern und Schwachzehrern angepflanzt:

  1. Lauch (Liliengewächs)
  2. Möhren (Doldenblütler
  3. Gurken (Kürbisgewächs)
  4. Radieschen (Kreuzblütler)

Auf dem vierten Beet findet die Gründüngung statt. Hier können zum Beispiel Lupinen, Luzerne, Wicken oder Klee (allesamt Schmetterlingsblütler) oder Weißer Senf und Raps (Kreuzblütler) angebaut werden. Auch Sonnenblumen (Korbblütler) sind schöne Pflanzen für die Gründüngung. Diese Pflanzen werden nicht geerntet, sondern gemulcht.

Wir wünschen Dir viel Erfolg beim Anlegen Deines eigenen Gemüsegartens!


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