Gemüseanbau: Fruchtwechsel im Gemüsegarten

Fruchtwechsel – häufig fällt der Begriff, wenn man sich damit beschäftigt, wie man sich einen Gemüsegarten anlegen kann. Doch was bedeutet „Fruchtwechsel“ und warum ist diese Form der Gartenplanung gerade für Gemüsebeete so relevant?

Mit dem „Fruchtwechsel“ bezeichnet man einen jährlich wechselnden Anbau von Nutzpflanzen auf einem Beet. Die Gründe, jährlich wechselnde Pflanzen auf einer Fläche anzupflanzen, hängt mit zwei positiven Aspekten zusammen: Ein gut geplanter Wechsel beugt Schädlingen vor und kann zudem zur Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit führen. Meist tritt der Fruchtwechsel im Kontext einer Mehrfelderwirtschaft auf und findet daher seinen Ursprung in der Bestellung von landwirtschaftlichen Flächen.

Warum macht man einen Fruchtwechsel?

Um die Entstehung des Fruchtwechsels und damit auch der Mehrfelderwirtschaft zu betrachten, treten wir zunächst einen Schritt zurück. Bereits in der Antike war eine Zweifelderwirtschaft üblich. Während auf dem einen Feld Getreide angebaut wurde, lag das andere Feld brach. Im darauffolgenden Jahr wurden die Felder gewechselt. Nun stand das vorher bepflanzte Feld leer, um sich zu erholen und zu regenerieren, während auf dem zuvor brach liegenden Feld Getreide angebaut wurde. Später wurde die Dreifelderwirtschaft populär, da hier nur ein Drittel der Fläche leer bleiben musste. Bei dieser Bewirtschaftung wurden im jährlichen Wechsel zwei Felder bebaut, während das dritte pausierte.

Mitte des 18. Jahrhunderts begann man die brach liegende Fläche mit speziellen, bodenverbessernden Pflanzen zu bepflanzen. Damit wurde zu einer aktiven Erholung des Bodens beigetragen, da dem Boden durch diese Pflanzen wieder mehr Nährstoffe, insbesondere Stickstoff, zur Verfügung gestellt wurden. Diese Form der Bodenerhaltung wird heutzutage als „Gründüngung“ bezeichnet. Ein Pionier dieser effizienten und bodenschonenden Landwirtschaft war Schubart, Edler von dem Kleefelde.

Reiche Chili-Ernte durch gute Pflege

Fruchtwechsel im Gemüsegarten mit vier Beeten

Auch in der heutigen, nachhaltigen Landwirtschaft spielt die Fruchtfolge eine bedeutende Rolle. Mittlerweile wird sie auch von Hobbygärtnern im privaten Gemüsegarten praktiziert, um den Boden zu schonen und eine optimale Nährstoffausnutzung zu erreichen.

Meist folgt man hier einer Vierfelderwirtschaft: Im jährlichen Wechsel werden vier Beete mit unterschiedlichen Gemüsepflanzen angebaut, wobei auf dem vierten Beet mit einer Gründüngung zur Bodenverbesserung beigetragen wird. Hat man nur ein Gemüsebeet zur Verfügung, ist es – gerade, wenn man den Sommer über viele verschiedene Gemüsesorten ernten möchte – sinnvoller, eine Mischkultur mit verschiedenen Nutzpflanzen anzulegen.

Besonders erfolgsversprechend ist eine Mischkultur!

Die Vorteile der Fruchtfolge

Diese besondere Form des Anbaus beugt nicht nur der Nährstoffausdünnung im Boden vor, sondern führt auch zu einer ertragreicheren Ernte. Werden beispielsweise in jedem Jahr Tomaten an den gleichen Standort gepflanzt, kann der Mangel an bestimmten Nährstoffen im Boden dazu führen, dass die Tomaten weniger Früchte bilden. Zudem haben Schädlinge durch den Anbau der immer gleichen Pflanzen ein leichtes Spiel. Schnell kann es da passieren, dass Schädlinge, die überwintert haben, im Frühjahr ausbrechen und kurzerhand alle jungen Pflanzen befallen. Daher beugt die Fruchtfolge dem Befall von Schädlingen vor. Um in den Genuss dieser Vorteile zu kommen, muss man jedoch zwei wichtige Punkte beachten.

1. Auf Pflanzenfamilien achten

Man muss auf die Verträglichkeit der Pflanzen beziehungsweise auf die botanischen Verwandtschaften achten. Denn Pflanzen einer Familie wie Tomaten, Kartoffeln oder Paprika sollten besser nicht an aufeinanderfolgenden Jahren auf die gleiche Stelle gepflanzt werden. Denn im Boden können Schädlinge, die sich auf diese Pflanzenfamilien spezialisiert haben, überwintern und direkt im Frühjahr die jungen Pflanzen befallen. Pflanzt man jedoch Nutzpflanzen einer anderen Familie kann man diesen Schädlingsbefall verhindern.

Pflanzen einer Familie, die man nicht mehrfach hintereinander auf die gleiche Stelle anpflanzen sollte:

Pflanzenfamilie  
Kreuzblütler Steckrübe, Pak Choi, Rettich, Radieschen, Kohlarten wie Weißkohl, Rotkohl, Kohlrabi, Rosenkohl oder Brokkoli
Doldenblütler Möhre, Sellerie, Fenchel, Pastinake, Petersilie, Dill, Kerbel, Koriander, Kümmel
Schmetterlingsblütler Erbsen, Bohnen, Klee, Lupine, Wicken, Luzerne
Lippenblütler Fast alle Kräuter
Liliengewächse Zwiebel, Lauch, Schnittlauch, Knoblauch, Spargel
Gänsefußgewächse Spinat, Rote Bete, Mangold
Korbblütler Artischocke, Schwarzwurzeln, Kopfsalat, Eissalat, Endivien, Chicorée, Radiccio, Löwenzahn
Kürbisgewächse Gurke, Melone, Kürbis, Zucchini
Nachtschattengewächse Tomate, Paprika, Aubergine, Kartoffel, Pepino

2. Auf Nährstoffbedarf achten

Der Nährstoffbedarf der Pflanzen ist ausschlaggebend für die Reihenfolge der Bepflanzung: Im ersten Jahr, wenn der Boden noch frisch gedüngt ist, werden Starkzehrer wie Tomaten, Kürbisse oder Zucchini gepflanzt. Im zweiten Jahr folgen die Mittelstarkzehrer, zu denen beispielsweise Gurken, Mohrrüben oder Kartoffeln gehören. Im dritten Jahr kann dann eine Pflanze gepflanzt werden, die nur wenig Nährstoffe benötigt. Zu den Schwachzehrern zählen unter anderem Buschbohnen, Erbsen, Kräuter oder Pastinaken. Im letzten Jahr folgt die Gründüngung mit bodenverbessernden Pflanzen wie Perserklee, Gelbsenf, Luzerne oder Lupinen. Statt der Gründüngung kann man aber auch auf Kompost, Hornspäne oder Hornmehl zurückgreifen, die in den Boden eingearbeitet werden.

Nährstoffbedarf von Pflanzen

Starkzehrer Mittelstarkzehrer Schwachzehrer Pflanzen für die Gründüngungen
Tomaten Chicorée Buschbohnen Perserklee
Zucchini Endivie Erbsen Alexandriner-Klee
Kohlarten wie Brokkoli oder Rotkohl Kartoffel Radieschen Ackerbohnen
Lauch Knollenfenchel Rote Beete Feldsalat?
Paprika Kohlrabi Salat Spinat?
Pepino Möhren Spinat Gelbsenf
Knollensellerie Rettich Zwiebel Luzerne
Kürbis Schwarzwurzeln Kräuter wie Basilikum, Koriander oder Majoran Lupinen
Kartoffeln Mangold Pastinaken  
Melone Fenchel Kresse  
Auberginen Knoblauch Feldsalat  
Artischocken Gurken    
  Topinambur    

Diese Einteilung hängt vor allem vom Stickstoffbedarf der Pflanzen ab. Ist der Stickstoffanteil im Boden relativ hoch, fühlen sich Starkzehrer besonders wohl, Aussaaten hingegen vertragen diese Konzentration nicht und auch Schwachzehrer benötigen einen nährstoffärmeren Boden, weshalb sie auch nicht auf frisch gedüngte Beete gepflanzt werden sollten.

Wovon hängt der Nährstoffgehalt im Boden ab?

Der Nährstoffreichtum des Bodens hängt unter anderem von dem Kohlen-Stickstoff-Verhältnis ab: Je mehr Stickstoff im Boden ist, desto schneller werden Rückstände von Bodenlebewesen umgewandelt. Um den Nährstoffgehalt zu erhöhen, pflanzt man daher bei der Fruchtfolge auch bodenverbessernde Kulturen wie Lupinen, Klee oder Luzerne (Leguminosen) an. Durch den Anbau dieser Pflanzen wird der Boden mit Stickstoff aus der Luft angereichert. Nach dieser Phase der Gründüngung können dann wieder Starkzehrer auf das Beet gepflanzt werden.

Tomaten gehören zu den stark zehrenden Pflanzen

Fruchtfolge mit vier Gemüsebeeten

Wenn man eine größere Fläche zur Verfügung stehen hat, kann man diese in vier Parzellen unterteilen. Jede Einzelfläche wird nun mit je einer bestimmten Pflanze bepflanzt, die im Laufe der vier Jahre um ein Beet weiterrückt. Es handelt sich also quasi um Monokulturen auf kleiner Fläche, die jährlich das Beet wechseln. Nach vier Jahren beginnt der Kreislauf dann wieder von vorne – oder man pflanzt andere Gemüsesorten ins Beet.

Fruchtfolge – Vierfelderwirtschaft

In dem abgebildeten Beispiel-Gemüsegarten werden beispielsweise stark zehrende Tomaten (Nachtschattengewächs) auf ein Beet gepflanzt. Auf dem zweiten Beet folgen mittelstarkzehrende Gurken (Kürbisgewächs) und auf dem dritten Beet wachsen Erbsen (Schmetterlingsblütler). Das vierte Feld wird mit bodenverbessernden Pflanzen bepflanzt, sodass es im kommenden Jahr mit genügend Nährstoffen angereicht ist, sodass sich hier wieder die Starkzehrer wohlfühlen können. Statt den Tomaten kann man auch Paprika oder Auberginen anpflanzen, statt der Gurken Mangold, Spinat oder Rote Beete und statt der Erbsen können Bohnen, Zwiebeln, Lauch oder Spargel gepflanzt werden.

Fruchtfolge und Mischkultur in einem Gemüsegarten

Neben der Monokultur gibt es auch noch die Mischkultur. Hierbei werden verschiedene Pflanzen auf einem Beet gleichzeitig angepflanzt. Dies hat vor allem drei Vorteile: eine deutlich bessere Ausnutzung der Nährstoffe, ein höherer Schutz vor der Ausbreitung von Schädlingen und eine größere Vielfalt bei der Ernte. Denn nun hat man nicht nur ein Beet mit Tomaten, sondern beispielsweise ein Beet mit drei Tomatenpflanzen, einer Zucchini, vielen Möhren und etwas Mangold und Rotkohl. Bei dieser gemischten Bepflanzung muss man jedoch verschiedene Punkte berücksichtigen wie den Nährstoffbedarf, die Familienzugehörigkeit und die Verträglichkeit der Pflanzen untereinander. Eine übersichtliche Auflistung der Punkte und viele hilfreiche Tipps findest Du in diesem Artikel zur Mischkultur im Gemüsegarten.

Um die positiven Aspekte der Fruchtfolge mit den Vorteilen der Mischkultur zu vereinen kann man beide Kulturmethoden miteinander kombinieren. Ein Vorteil, der sich aus dieser Kombination ergibt, ist, dass die Regeln bezüglich der Verwandtschaft und des Nährstoffbedarfs lockerer gesehen werden können!

Mischkultur mit Salat und Mangold

So ist es kein Problem, auf einem Beet eine Mischung aus Stark- und Mittelstarkzehrern oder Mittelstark- und Schwachzehrern zu haben sowie Pflanzen aus der gleichen Familie in aufeinanderfolgenden Jahren auf ein Beet zu pflanzen, da die Gefahren der Schädlingserkrankung und -übertragung in Mischkulturen bereits deutlich geringer sind.

Folglich ist es möglich, auf einem Beet im ersten Jahr Tomaten und im zweiten Jahr Kartoffeln anzubauen, auch wenn sie beide zu den Nachtschattengewächsen zählen. Dennoch wäre es sinnvoll, sich bei der Planung eine detaillierte Skizze zu machen, um sich zu merken, wo welche Pflanze stand, sodass die Kartoffeln nicht direkt an dieselbe Stelle gepflanzt werden, wo vorher die Tomaten gestanden haben.

Mischkultur und Fruchtfolge – so geht’s!

Mischkultur und Fruchtfolge auf vier Beeten

In diesem Gemüsegarten wurden auf dem ersten Beet folgende Pflanzen gepflanzt:

  1. Tomaten (Nachtschattengewächs)
  2. Zucchini (Kürbisgewächs)
  3. Artischocken (Korbblütler)
  4. Mangold (Gänsefußgewächs)

Bei diesen Pflanzen handelt es sich vorwiegend um Starkzehrer, nur Mangold ist eher ein Mittelstarkzehrer. Dadurch dass auf dem ersten Beet vorher eine Gründung stattfand – oder dadurch dass das Beet mit frischer Erde und Langzeitdünger aufgearbeitet wurde, sollten lieber keine Schwachzehrer gepflanzt werden. Für sie ist der Boden zu nährstoffreich. Möchte man trotzdem das ein oder andere Kraut oder den ein oder anderen Salat pflanzen, sollte man sie bei der regelmäßigen Versorgung der Starkzehrer mit Flüssigdünger aussparen.

Alle Pflanzen stammen aus unterschiedlichen Familien, sodass eine Übertragung von Schädlingen, die es auf Pflanzen einer Familie abgesehen haben, vermieden wird. Zudem sind alle Pflanzen harmonische Partner, sodass auch hier keine unglücklichen Koexistenzen entstehen, die die Vitalität und den Ernteerfolg mindern könnten.

Zucchini ‚Zodiac‘ gehört zu den beliebtesten Zucchinisorten

Auf dem zweiten Beet steht eine Mischung aus stärkeren und weniger stark zehrenden Pflanzen. So sind die Kartoffeln, die im nächsten Jahr auf dem Feld stehen, wo vorher der Mangold gestanden hat, Starkzehrer. Bohnen, Bohnenkraut und Eisbergsalat benötigen hingegen weniger Nährstoffe.

  1. Eisbergsalat (Korbblütler)
  2. Bohnenkraut (Lippenblütler)
  3. Bohnen (Schmetterlingsblütler)
  4. Kartoffeln (Nachtschattengewächs)

Insbesondere Bohnenkraut und Bohnen harmonieren sehr gut miteinander und auch Kartoffeln und Bohnen leben in guter Nachbarschaft zusammen.

Bohnenkraut und Bohnen bilden nicht nur auf kulinarischer Ebene eine perfekte Einheit

Auf dem dritten Beet wird eine Mischung aus Mittelstarkzehrern und Schwachzehrern angepflanzt:

  1. Lauch (Liliengewächs)
  2. Möhren (Doldenblütler
  3. Gurken (Kürbisgewächs)
  4. Radieschen (Kreuzblütler)

Auf dem vierten Beet findet die Gründüngung statt. Hier können zum Beispiel Lupinen, Luzerne, Wicken oder Klee (allesamt Schmetterlingsblütler) oder Weißer Senf und Raps (Kreuzblütler) angebaut werden. Auch Sonnenblumen (Korbblütler) sind schöne Pflanzen für die Gründüngung. Diese Pflanzen werden nicht geerntet, sondern gemulcht.

Wir wünschen Dir viel Erfolg beim Anlegen Deines eigenen Gemüsegartens!


Vielfalt und reiche Ernte mit nur einem Beet? Mit einer gut durchdachten Mischkultur ist das möglich! Tipps findest Du in diesem Artikel:

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