Blattläuse bekämpfen: Marienkäfer anlocken

Es gibt sie, die natürlichen Feinde der Blattläuse: Marienkäfer. Die kleinen, gepunkteten Insekten vernichten in ihrem Leben mehrere tausend Blattläuse und können so ganze Pflanzen von der Plage befreien. Doch wie kann man Marienkäfer in den Garten oder auf den Balkon locken?

Bereits bei steigenden Temperaturen im Mai fängt es in vielen Gärten und auf vielen Balkonen wieder an zu krabbeln: Die Zeit der Blattläuse hat begonnen. Leider sind die Blattläuse auf Dauer schädlich für die Pflanzen, da sich die schnell vermehrenden Insekten vom Pflanzensaft der Pflanze ernähren. Durch die zuckerhaltigen Ausscheidungen der Blattläuse können zudem verschiedene Pilze angelockt werden, die hier einen guten Nährboden finden. Ein guter Hinweis für einen Blattlausbefall sind auch die vielen Ameisen, die durch das zuckerhaltige Sekret den Weg zu den Blattläusen gefunden haben. Blattläuse kann man unter anderem mit Brennnesselsud, Knoblauchtee oder Seifenlauge bekämpfen. Darüber hinaus sind Insekten wie Marienkäfer oder Ohrenkneifer sehr effektiv in der Beseitigung von Blattläusen.

Verpuppte Marienkäferlarve am Lavendel

Marienkäfer – der kleine Käfer mit den Punkten

Rund 70 Marienkäferarten sind in Deutschland heimisch. Am bekanntesten ist wohl der Siebenpunkt-Marienkäfer, dessen rote Flügel mit schwarzen Punkten verziert ist. Daneben sieht man auch gelbe, orange, schwarze oder braune Marienkäfer mit roten oder braunen Punkten. So hat der Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer gelbe Flügel und schwarze Punkte. Die Anzahl der Punkte kann ebenfalls je nach Art oder sogar innerhalb einer Art variieren. Der Vierundzwanzigpunkt-Marienkäfer kann beispielsweise statt 24 auch 16 oder 20 Punkte haben. Manche Marienkäfer haben auch gar keine Punkte, bei anderen vermischen sich die Punkte so stark miteinander, dass die Flügeldeckel fast einfarbig aussehen.

Von der Larve zum Marienkäfer: Dieser frisch geschlüpfte Siebenpunkt-Marienkäfer hat zunächst noch keine Punkte und auch seine rote Farbe bekommt er erst nach ein paar Stunden. Neben dem Marienkäfer liegt noch seine leere Puppe, aus der er kurz zuvor geschlüpft ist.

Marienkäfer als Schädlingsbekämpfer

Marienkäfer gehören zu den natürlichen Fressfeinden der Blattläuse und sind bei der Vernichtung ihrer Nahrung äußerst effizient: Bereits in ihrer Zeit als Larve vertilgen manche Marienkäferarten, wenn sie die Möglichkeit haben, rund 3.000 Blattläuse. Aus dem Grund werden Marienkäfer im Gartenbau und in der Landwirtschaft zur natürlichen Schädlingsbekämpfung eingesetzt. Dabei fressen sie nicht nur Blattläuse, sondern auch Schildläuse, Spinnmilben oder Wanzen. Sogar Mehltaupilze werden von einigen Marienkäferarten wie dem Zweiundzwanzigpunkt-Marienkäfer vernichtet. Bereits in der frühen Landwirtschaft wussten die Bauern um die Nützlichkeit des kleinen Käfers und betrachteten ihn als eine Art Geschenk der heiligen Jungfrau Maria. Der Marienkäfer hat seinen Namen daher der heiligen Maria zu verdanken.

Befall von schwarzen Blattläusen

Marienkäfer in den Garten locken

Um Marienkäfer anzulocken, kann man ihnen den Garten oder Balkon etwas schmackhafter machen – wenn sie die Aussicht auf Blattläuse nicht ohnehin schon angelockt hat. Wer kann, lässt daher einfach einen kleinen, wilden Bereich in seinem Garten stehen, in dem auch Blattläuse leben, die als Lockmittel für Marienkäfer dienen. Daneben kann man versuchen mit verschiedenen Pflanzen oder einem speziellen Trunk, den Garten für Marienkäfer attraktiver zu gestalten.

1. Pflanzen für Marienkäfer pflanzen

Neben Schädlingen wie Spinnmilben oder Blattläuse fressen Marienkäfer auch Nektar und Pollen. Besonders beliebt sind laut verschiedener Erfahrungen von Gärtnern und Gärtnerinnen unter anderem Dill, Kamille, Ringelblumen, Klatschmohn, Schafgarbe, Kornblumen, Silberkraut, Minze, Koriander, Storchschnabel, Fenchel, Löwenzahn und Knoblauch. Aus persönlichen Erfahrungen kann ich der Liste noch Lavendel und Thymian hinzufügen – zumindest der Asiatische Marienkäfer und der Siebenpunkt-Marienkäfer haben sich auf diesen Pflanzen bisher wohlgefühlt. Mit solchen marienkäferfreundlichen Pflanzen kann man daher eine Ansiedlung der Marienkäfer unterstützen. Wichtig ist natürlich, dass man all diese Pflanzen blühen lässt, damit sie den Larven und Käfern Pollen und Nektar bieten können.

Marienkäfer am Lavendel

2. Holunderblütentrunk als Lockmittel für Marienkäfer

Hat man bereits Blattläuse auf seinen Pflanzen entdeckt, gibt es noch die Möglichkeit, die Marienkäfer mit Hilfe eines süßen Tranks anzulocken. Hierfür gibt man 1 Teil Holunderblüten in 10 Teile Wasser und erhitzt die Mischung. Anschließend lässt man das Holunderblütenwasser 24 Stunden ruhen, siebt dann die Blüten ab und mischt das Holunderblütenwasser mit einem weiteren Teil Wasser. Dieses gesüßte Wasser kann man nun im Garten versprühen, um Marienkäfer anzulocken. Optimalerweise pflanzt man zusätzlich ein paar marienkäferfreundliche Pflanzen, um die herbeigeeilten Marienkäfer zusätzlich mit Nektar und Pollen zu versorgen, falls es nicht genug Blattläuse gibt.

Verpuppte Marienkäferlarve am Thymian

3. Überwintern im Laubhaufen

Wenn man auch im kommenden Jahr nicht auf die Hilfe der Marienkäfer verzichten möchte, empfiehlt es sich, dem Marienkäfer ein paar Überwinterungsquartiere auf dem Balkon oder im Garten anzubieten. Optimalerweise lässt man ein oder zwei kleine Laub- oder Kieselsteinhaufen in der Nähe einer für Blattläuse prädestinierten Stelle liegen. So können sich die jungen Larven im kommenden Frühjahr direkt ans Werk machen und die Blattläuse vernichten. Auch eine kleine Wildkräuterecke mit Löwenzahn oder Brennnesseln bietet Marienkäfern eine gute Rückzugsmöglichkeit. Im Haus sollten die Marienkäfer nicht überwintert werden.

4. Marienkäfer kaufen

Lassen sich trotz aller Bemühungen einfach keine Marienkäfer im Garten blicken und reagieren die Blattläuse nur bedingt auf Brennnesselsud oder Seifenlauge, weil der Befall bereits zu weit fortgeschritten ist, kann man zur Not noch Marienkäfer kaufen. Allerdings sollte man vorsichtig sein, welche Marienkäferart man sich anschafft. Ein ausgesprochen dominant auftretendes Exemplar ist beispielsweise der Asiatische Marienkäfer, der sich als eingeschleppte Art mittlerweile nachteilig auf die einheimischen Käfer auswirkt. Beim Kauf von Marienkäfern sollte man daher unbedingt darauf achten, dass es sich um einheimische Exemplare handelt. Allerdings gehört der Asiatische Harlekin-Marienkäfer (Harmonia axyridis) mittlerweile neben dem europäischen Siebenpunkt-Marienkäfer (Coccinella septempunctata) zu den meist verbreiteten Marienkäfern. Wer also auf seinem Balkon oder in seinem Garten zufällig einen Asiatischen Marienkäfer entdeckt, kann sich natürlich trotz seiner dominanten Lebensweise über dessen Hilfe bei der Blattlausbeseitigung freuen.

Asiatische Marienkäferlarve am Thymian

Eine Alternative wäre, einfach mal an einer Blumenwiese vorbei zu spazieren und Ausschau nach ein paar Marienkäfern zu halten. Wahrscheinlich läuft man bereits nach kurzer Zeit dem roten Siebenpunkt-Marienkäfer oder dem Asiatische Marienkäfer über den Weg. Daneben gibt es aber noch weitere Marienkäfer wie den roten Zweipunkt-Marienkäfer (Adalia bipunctata) oder den roten Fünfpunkt-Marienkäfer (Coccinella quinquepunctata). Hat man einen kleinen Käfer gefunden, kann man ihn vorsichtig in einer luftdurchlässigen Schachtel oder einer speziellen Insektentransportbox unterbringen und anschließend im Garten oder auf dem Balkon auf die Blattläuse loslassen.

Marienkäfer als Schädling?

Von den europäischen Arten gibt es nur wenige Marienkäfer, die als Schädling in Erscheinung treten. So frisst der Vierundzwanzigpunkt-Marienkäfer die Blätter von verschiedenen Pflanzen wie Dahlien, Luzerne, Klee, Zuckerrüben oder Kartoffeln, weshalb er auch als Luzerne-Käfer bekannt ist. Dass es dazu kommt, dass Pflanzen durch Marienkäfer stark geschädigt werden, ist jedoch ausgesprochen selten. Wahrscheinlicher ist, dass heimische Marienkäfer von anderen Insekten wie den Ameisen bedroht werden. So greifen Ameisen die Marienkäfer an, wenn diese ihren Blattläusen zu nahekommen. Schließlich handelt es sich bei den Blattläusen um die „Milchkühe“ der Ameisen, die es zu verteidigen gilt.

Ein Marienkäfer und eine verpuppte Marienkäferlarve

Blattläuse bekämpfen – Marienkäfer unterstützen

Wenn alle Blattläuse vernichtet wurden, kann es passieren, dass auch die Marienkäferpopulation kleiner wird. Denn Marienkäfer reagieren sehr empfindlich auf Nahrungsmangel. Im darauffolgenden Jahr besteht dann eventuell erneut das Problem, dass sich viele Blattläuse ungestört ansiedeln und vermehren können, da sich die Marienkäfer woanders niedergelassen haben oder durch fehlende Nahrung gestorben sind. Um solchen Nahrungsengpässen vorzubeugen, bietet es sich an, immer auch ein paar der marienkäferfreundlichen Pflanzen zu pflanzen. Wer genügend Platz hat, kann auch eine kleine Wildwuchsecke im Garten stehen lassen, in der ein paar Blattläuse herumkrabbeln dürfen. Denn diese Ecke wird dafür sorgen, dass sich auch im nächsten Jahr Marienkäfer im Garten blicken lassen.


Wie man mit natürlichen Hausmitteln Blattläuse bekämpfen und Mehltau vorbeugen kann, erfährst Du in diesen Artikeln:

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