„Über Themen, die am Herzen liegen“

Voller grüner Ideen: Gartenblogs in Deutschland

Interview mit den BeetSchwestern


In unserer neuen Gartenblogreihe „Voller grüner Ideen: Gartenblogs in Deutschland“ stellen wir euch jede Woche einen Gartenblogger oder eine Gartenbloggerin eines interessanten, kreativen und inspirierenden Gartenblogs vor.

Ob Gartentherapie, Imkerei oder Kräuterkunde – wer sich für grüne Themen interessiert, findet auf dem Blog der BeetSchwestern einen bunt gemischten Fundus an Gartenthemen. Dieser Facettenreichtum des Blogs ist den verschiedenen Schreiberinnen geschuldet. Denn der Blog ist kein Eine-Frau-Produkt, sondern ein kollaboratives Projekt: Sechs Frauen bloggen hier über ihre grünen Leidenschaften. Dabei bringt jede einzelne ihre persönlichen Erfahrungen und Kompetenzen mit. So finden sich auf dem Blog hilfreiche Tipps zu Wildkräutern, interessante Buchempfehlungen, Einblicke in das Landleben, leckere Rezeptideen und inspirierende Reiseberichte.
In unserem Interview erzählen Conny, Birgit, Annette, Beate, Carmen & Gabi, was sie am Gärtnern begeistert und wie es zu dem gemeinsamen Blog kam.

Alle Beiträge der Reihe „Voller grüner Ideen: Gartenblogs in Deutschland“ findet ihr hier.

„Über Themen, die am Herzen liegen“

Interview mit den BeetSchwestern

Ihr habt euch auf einem Gartenseminar kennengelernt, beziehungsweise wart schon vorher teilweise miteinander befreundet. Wie entstand die Idee, einen gemeinsamen Blog ins Leben zu rufen?

Birgit: Wir haben uns vor etwa 10 Jahren auf dem Gartenseminar kennengelernt, einige von uns sind aber schon viel länger miteinander befreundet. Da wir alle mit dem Gartenvirus infiziert sind, haben wir uns in einer gemeinsamen WhatsApp-Gruppe auch schon länger über Gartenthemen intensiv ausgetauscht. Irgendwann hatten wir das Gefühl, dass dort ganz viel Wissen und Tipps rund um das Thema Garten und Leben auf dem Land wie Hühner, Rezepte oder Buchtipps verloren gehen. Dann hatte Carmen die Idee, alles in einem Buch zusammenzufassen. Das war uns aber zu „statisch“ und auch zu endlich, also hatte Conny die Idee, das ganze Wissen „irgendwie im Internet“ zu speichern. Da war dann schnell die Idee geboren, einen Blog zu schreiben.

Und wie kamt ihr auf den schönen Namen „BeetSchwestern“?

Conny: Unser Name „BeetSchwestern“ ist ein Geschenk einer gemeinsamen, lieben Gartenfreundin. Sie hat eine Gartenfreundinnengruppe, die sich regelmäßig trifft, und sie nennen sich die Beetschwestern. Als wir auf Namenssuche für unseres Blog waren, fanden wir diesen Namen so unglaublich zutreffend für uns. Wir haben sie deshalb gefragt, ob wir diesen Namen verwenden dürfen und die Zustimmung und den Segen für unser Blog-Projekt bekommen.

Ihr betreibt euren Blog zu sechst – gibt es da eine bestimmte Aufgabenteilung oder macht jeder alles?

Conny: Jede von uns schreibt über die Themen, die ihr am Herzen liegen oder die ihr gerade begegnen. Dabei gilt eine Regel, die lautet: Wenn eine der BeetSchwestern einen neuen Blogpost veröffentlicht hat, hat der mindestens 24 Stunden „Bestandsschutz“, bevor eine andere etwas veröffentlichen kann. Wichtig ist auch: Keine muss, jede darf. Meistens stimmen wir die Beiträge untereinander kurz ab, jede veröffentlicht dann aber selbst.

Birgit: Conny ist Admin und Technikfreak, sie hat den Blog eingerichtet, und hilft, wenn’s irgendwo hakt. Sie betreut auch die Social-Media-Kanäle auf Facebook, Instagram und Pinterest und die eigene BeetSchwestern App. 

Ein Bild von Bernd Henkel von den sechs BeetSchwestern (Quelle: BerndHenkel.com)

Was ist euch denn besonders wichtig am Gärtnern bzw. was bedeutet euch die Arbeit mit Pflanzen?

Annette: Mir ist es wichtig, was Sinnvolles zu tun, bei dem ich in den meisten Fällen von Anfang, also von der Aussaat, bis zum Ende, also bis zur Ernte beziehungsweise zur Blüte, den Fortschritt sehen kann. Natürlich auch, um etwas biologisch Angebautes auf den Tisch zu bringen. In meinem kleinen Garten kann ich versuchen, der Natur etwas zu helfen und Tieren einen Lebensraum zu bieten.

Birgit: Wichtig ist für mich, dass ich viele Wildkräuter und -blumen im Garten integriere und einen Lebensraum für Insekten, Vögel und andere kleine Säugetiere schaffe. Das funktioniert auch durch Insektenhotels, Nistplätze, Feuchtbiotope, Totholzhaufen und vieles mehr. Die Notwendigkeit, etwas für die Artenvielfalt zu tun, ist größer denn je. Ich arbeite ohne Gift und versuche, durch die große Biodiversität ein Gleichgewicht zu schaffen, das Nützlinge und Schädlinge in der Waage hält. Die Arbeit mit Pflanzen ist mein Anker, meine große Leidenschaft, die Möglichkeit zu entspannen und zu studieren.

Conny: Mir ist es wichtig, mit meinem Garten einen Wohlfühlraum rund um unser Haus zu schaffen. Ich liebe, die sich immer wieder verändernden Gartenbilder zu betrachten. Ein großer Garten macht Arbeit, aber ich sehe es nicht als solche. Ich zitiere da einen Gartenbesitzer, der bei einem Gartenbesuch einmal gesagt hat: „Ich arbeite nicht in meinem Garten, ich gärtnere.“ Und da liegt, glaube ich, wirklich ein Unterschied. Mein Garten ist keine Belastung. Er erdet und entspannt mich, nirgendwo anders kann ich so gut abschalten, als in dem Moment, wenn ich die Hände in den Boden stecke. Und wenn ich dabei noch etwas für den Artenschutz tun kann und Insekten und anderen Kleintieren wie Igeln oder Gartenvögeln, Lebens- und Wohnraum bieten kann und diese sich ebenfalls im Garten wohl fühlen, macht es doppelt Sinn.

Annette, du bist ja nicht nur leidenschaftliche Gärtnerin, sondern auch Imkerin. Was begeistert dich an der Arbeit mit Bienen?

Annette: Bei den Imkern gibt es einen Spruch: Erst hat der Imker Bienen, dann haben die Bienen den Imker. Bedeutet: Wer sich einmal mit der spannenden und vielfältigen Lebensweise eines Bienenvolkes befasst hat, kommt nicht so schnell davon los. Der Aspekt der Honiggewinnung tritt da schnell in den Hintergrund. Was ein kleines Einzelinsekt so alles leisten kann und doch allein nicht überleben kann, sondern nur in Aufgabenteilung mit vielen anderen. Eine Königin, die nicht mit einsamen Entschlüssen regiert, Arbeiterinnen, die manchmal in basisdemokratischen Entscheidungen bestimmen, wo es lang geht. Kein Bienenjahr oder Bienenvolk gleicht dem anderen. 

Gabi, dein Garten wirkt auf den Fotos ja manchmal wie ein verwunschener Märchenwald. Wie wichtig ist es dir eigentlich, dass sich in deinem Garten Bienen, Falter oder Vögel wohlfühlen?

Gabi: Es ist mir seeehr wichtig, dass mein Garten ausreichend Nahrung und Wohnraum für Insekten und Vögel bietet. Ich verwende grundsätzlich keine Chemie und achte bei Neuanpflanzungen immer darauf, dass Wildbiene und Co. nicht zu kurz kommen. Ökologisch sinnlose Pflanzen wie zum Beispiel die Forsythie habe ich eliminiert. Ein großer Bereich im Gemüsegarten ist ausschließlich dem Bienen- und Hummelwohl gewidmet.

Als ihr mit eurem Blog angefangen habt, habt ihr euch das Bild der Akelei als Titelbild ausgesucht, da ihr ebenso wie die Akelei bodenständig und sehr individuell seid, interessiert über den Gartenzaun blickt und euch da niederlasst, wo es euch gefällt. Doch hat jede von euch eigentlich auch noch eine eigene Lieblingsblume, mit der ihr euch besonders verbunden fühlt?

Annette: Meine Liebe gilt den Rosen. In letzter Zeit mehr den ungefüllten, wegen der Insekten.

Birgit: Eine Lieblingsblume habe ich nicht, aber mein Herz pocht für Wildkräuter. Da mag ich kleine Zartblühende wie beispielsweise die Doldenblütler ganz besonders.

Beate: Meine Lieblingspflanze ist der rote Mohn.

Gabi: Es fällt mir schwer, mich für eine Lieblingsblume zu entscheiden. Ich freue mich über jede Blüte, die erscheint – seien es die ersten Krokusse im Frühjahr, die überm Beet schwebenden Alliumbälle, die duftenden Rosen oder die Silberkerzen und Herbstanemonen spät im Gartenjahr. Hauptsache, die Bienen und Hummeln fühlen sich darin wohl!

Carmen: Wegen ihrer Vielseitigkeit ist die Ringelblume eine meiner Lieblingspflanzen.

Conny: Meine Lieblingsblume ist das Schneeglöckchen. Ob es nun daran liegt, dass es meine Geburtstagsblume ist oder dass es als eines der ersten im neuen Jahr in den Beeten auftaucht, kann ich gar nicht sagen. Mich fasziniert sehr die Vielfalt der unterschiedlichen Sorten und es bleibt von den Wühlmäusen, die meinen Garten immer mal wieder in Fressorgien durchstreifen verschont. Über das Schneeglöckchen habe ich auch schon mal gebloggt.

Die Akelei symbolisiert die BeetSchwestern

Conny, du hast erzählt, dass du gerne Besonderheiten und Raritäten in deinen Gemüsegarten wie Etagenzwiebel, Gemüsemalve, bunte Möhren oder Stielmus pflanzt. Welche deiner Gemüsepflanzen gehören denn aber zu deinen liebsten, die jedes Jahr aufs Neue ihren Weg in deinen Gemüsegarten finden?

Conny: Mein Favorit im Gemüsebeet ist die Etagenzwiebel. Ich liebe sie wegen ihres skurrilen Aussehens und ihrer Vielfältigkeit. Man kann die kleinen Zwiebelchen, wie Speisezwiebeln in der Küche verwenden oder als Perlzwiebeln einlegen. Das Zwiebelgrün ist ein wunderbarer Ersatz für Lauchzwiebeln. Die Zwiebelköpfe, die nicht geerntet werden, senken sich im Spätsommer zu Boden und bilden so die Saat für das nächste Jahr. Wer sie einmal im Garten hat und nicht komplett verspeist, hat viele Jahre Freude an ihr. 

Welche Heilkräuter kannst du, Birgit, für Balkone oder Gärten besonders empfehlen? Hast du hier vielleicht ein paar Pflanzen, die du unseren Lesern & Leserinnen ans Herz legen kannst?

Birgit: Auch in Gärten oder auf kleinsten Flächen wie Balkonen lassen sich ganz einfach duftende, aromatische oder heilende Kräuter integrieren. Bei der Bepflanzung von Töpfen empfehle ich Terrakotta-Gefäße, da sie die Feuchtigkeit besser regulieren. Zu beachten ist, dass man die Pflanzen nicht zu eng pflanzt – man kann auch gerne einige stickstoffhaltige Brennnesselblätter mit in die Erde geben. Außerdem sollte die Erde nicht zu nahrhaft und der Standort sonnig und trocken sein. Die Kräuter sollten im Sommer monatlich mit Urgesteinsmehl gedüngt und eher sparsam gegossen werden.

Meine Pflanzvorschläge für mehrjährige Kräuter, die wunderbar in den täglichen Menüplan aufgenommen werden können und gut zusammenstehen können, wären Thymian, Oregano, Salbei, Majoran, Bohnenkraut oder Schnittlauch.
Ein- oder mehrjährige Kräuter, die gerne einzeln stehen, sind beispielsweise Melisse, Pfefferminze, Liebstöckel, Lorbeer, Basilikum, Kapuzinerkresse, Petersilie und Ringelblume.
Manchmal verirren sich von ganz allein wertvolle Wildkräuter in den Garten oder Blumenkasten, die gepflegt und gegessen werden können wie Schafgarbe, Löwenzahn, Brennnessel, Giersch oder Wegeriche.

Die Liebe zu den essbaren Gewächsen kann eine Passion werden. Das Wissen, dass wilde und gezähmte Kräuter ein Vielfaches an Vitalstoffen im Vergleich zu „normalem“ Gemüse haben, hilft sicher, sich darauf einzulassen. Man wird merken, dass intensive Aromen und Farben zum Beispiel durch essbare Blüten ins Spiel kommen, die die alltäglichen Mahlzeiten zu einem spannenden Vergnügen machen.

Beate, du organisiert im Ennepe-Ruhr-Kreis die Offene Gartenpforte. Aufgrund der aktuellen Lage habt ihr auf eurem Blog eine digitale „Offene Gartenpforte“ gestartet, bei der ihr euren Lesern und Leserinnen Einblicke in eure Gärten gewährt. Was ist es, was dich persönlich an der „Offenen Gartenpforte“ begeistert?

Beate: Im Jahr 2007 habe ich hier im EN Kreis Mitmacher für eine Offene Gartenpforte gesucht. Ich hatte selbst andere Offene Gärten besucht und dort gesehen, was alles möglich ist. Das hat mich inspiriert und viele Ideen konnte ich selbst verwirklichen. Das wollte ich gerne an andere weitergeben. Ich finde es schön, wenn Besucher Wertschätzung und Anerkennung für den Garten zum Ausdruck bringen. Unter Gleichgesinnten tauscht man viele Tipps aus. Viele Besucher haben sich nett bedankt, dass sie den Garten besichtigen durften und sind glücklich und voller Ideen aus meinem Garten nach Hause gegangen. Das hat mich natürlich gefreut und stolz gemacht. 

Inzwischen habe ich zwölf Jahre hintereinander meinen Garten geöffnet und für dieses Jahr hatte ich dann gar keine Gartenöffnung mehr vorgesehen. Ob ich zukünftig noch mal selbst teilnehmen werde, kann ich noch nicht sagen. Die virtuelle Offene Gartenpforte der BeetSchwestern im Blog war dann eine Idee von Carmen und Conny.

Beates Garten – aus der Spiel-Kiesgrube für ihre Kinder wurde ein Gartenteich

Wenn ich das richtig gelesen habe, arbeitest du, Carmen, als Gartentherapeutin mit Senioren und Kindern. Inwieweit kann ein Garten oder die Gartenarbeit „heilende Kräfte“ besitzen? Was sind Deine Erfahrungen?

Carmen: Das Leben in und mit Mutter Erde ist etwas Elementares, das seit Menschengedenken in uns verwurzelt ist. Unsere Senioren waren zu einem großen Teil in der Landwirtschaft tätig. Sie hatten einen Garten oder wenigstens einen Balkon. Sie haben ein unglaublich gutes gärtnerisches Wissen, das es zu erhalten gilt. Mir ist wichtig, die Menschen handlungsfähig zu halten und Kompetenzen zu fördern. Therapeutisches Gärtnern bedeutet Planung und Zielsetzung. Was hat der Mensch für ein Defizit, wo liegen seine Fähigkeiten und wie kann ich diese fördern und erhalten. Da die Gartentherapie in einer natürlichen Umgebung und mit Pflanzen, Naturmaterialien aller Art stattfindet, rutscht der Fokus weg vom eigenen Defizit auf beispielsweise das Samenkorn, das es zu gießen, zu beobachten und zu pflegen gilt. Ganz nebenbei werden die Sinne angeregt, Erinnerung gefördert, Mobilität und Motorik gestärkt. Bei Kindern ist es ähnlich, jedoch ist es Umweltbildung, das Wissen um Zusammenhänge, die im Vordergrund stehen. 

Vielen Dank für das schöne Interview!

Bildnachweis: Die privaten Fotos wurden uns netterweise von den sechs BeetSchwestern für diesen Beitrag zur Verfügung gestellt.


Und hier geht es zum letzten Beitrag unserer Blogreihe „Voller grüner Ideen: Gartenblogs in Deutschland“:

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