Winterharte Pflanzen – was bedeutet das eigentlich?

Vor Beginn des Wintereinbruchs fragen sich viele Pflanzenliebhaber, ob ihre Pflanzen winterhart sind – oder ob sie bei den ersten kalten Temperaturen das Handtuch werfen. Doch was genau bedeutet eigentlich winterhart?

Die Blüten des Lavendels sind allmählich verblüht, die ehemals farbenfrohen Geranien verwelkt und das Pfirsichbäumchen hat seine letzten Blätter verloren. Der Herbst läutet für viele Pflanzen ein Ende ein – doch ist das Ende endgültig oder kann man sich im kommenden Jahr erneut an seinen Lieblingen erfreuen? Ob die Pflanzen den Winter überstehen, liegt vor allem daran, ob sie mit der Kälte, dem Frost und der dadurch bedingten Trockenheit zurechtkommen.

Winterhart, frosthart, winterfest, frostempfindlich – ein kleines Begriffswirrwarr

Was bedeutet „winterhart“?

Winterhart ist eine relative Größe und abhängig von verschiedensten Faktoren wie Temperatur, Bodenart, Wasserversorgung, Luftfeuchtigkeit oder Sonneneinstrahlung. Üblicherweise werden Pflanzen, die den kalten, deutschen Winter im Freien ohne Probleme überleben, als „winterharte Pflanzen“ bezeichnet.

Daneben gibt es auch noch die Formulierung „bedingt winterhart“. Damit bezeichnet man in der Regel Pflanzen, die mit großer Wahrscheinlichkeit den Winter im Freien überleben, wenn zuvor einige Vorkehrungen getroffen werden. So können bedingt winterharte Pflanzen den Winter überstehen, indem man sie mit einer leichten Laubschicht bedeckt. Der Begriff „winterfest“ wird übrigens häufig synonym zu „bedingt winterhart“ genutzt.

Viele Kräuter sind winterhart – eine Übersicht findet Du hier.

Winterhart ist nicht gleich winterhart

Unsere schlichte Einteilung in winterharte, bedingt winterharte und nicht-winterharte Pflanzen ist natürlich eng mit unserem Blickwinkel verknüpft: Wenn eine Pflanze mit den für unsere Breitengraden typischen Wintern zurechtkommt, gilt sie für uns als winterhart – obwohl sie einen russischen Winter in Moskau nicht überstehen würde. Ebenso kann eine Pflanze, die in Frankreich oder Spanien den Winter ohne Probleme überlebt, bei uns als nicht winterhart gelten.

Um die Winterhärte einer Pflanze, also die Verträglichkeit der Pflanze mit den winterlichen Wetterbedingungen, genauer zu bestimmen, ist die Karte der Winterhärtezonen für Mitteleuropa von Heinze und Schreiber von 1984 hilfreich. Etwas vereinfacht gesagt, wird auf dieser Karte Mitteleuropa in 11 unterschiedliche Winterhärtezonen eingeteilt. Die wärmste Zone ist die Zone 11 mit mehr als +4,4 Grad und die kälteste Zone ist die Zone 1 mit weniger als -45,5 Grad. Zu den wärmeren Zonen gehören die südländischen Regionen, während es gen Russland immer kühler wird.
Ein Schmetterlingslavendel, der den Winter in Sevilla übersteht, würde beispielsweise als winterhart bis Zone 10 eingeordnet werden. Pflanzen, die in Hannover oder Berlin im Freien überwintern sollen, müssen jedoch winterhart bis Zone 8 sein. Einen frostigen Winter bei Minus 7 Grad würde der Lavendel demnach nicht überleben. Er gilt daher aus unserer Sicht als nicht winterhart.

Der Stauden-Lavendel ‚Hidcote Blue‘ wird hingegen zu den winterharten Stauden gezählt, da er ohne Probleme im Blumenbeet, im Kübel oder im Balkonkasten überwintern kann. Sollte jedoch ein drastischer Temperatursturz, zum Beispiel -25 Grad, eintreten, ist der Lavendel diesen speziellen winterlichen Temperaturen nicht mehr gewachsen. Trotzdem würde man den Lavendel weiterhin als winterhart bezeichnen – denn unter normalen klimatischen Bedingungen ist der Lavendel in Deutschland winterhart.

Winterharte Staude: Der Stauden-Lavendel ‚Hidcote Blue‘ ist winterhart und mehrjährig

Welche Pflanzen sind winterhart?

Zu den winterharten und bedingt winterharten Pflanzen zählen unter anderem Kräuter wie Salbei, Minze oder Thymian, Obstbäume, einige Gräser wie Segge- und Chinaschilfsorten und verschiedene Stauden und Blumen wie Herbst-Anemonen, Purpurglöckchen, Christrosen, Kriechender Günsel, Winterveilchen oder Primeln.

Die größte Gefahr im Winter: Trockenheit

Leider gibt es auch für die bei uns als winterhart geltenden Pflanzen keine Garantie, dass sie den Winter unbeschadet überstehen. Dabei ist es meist nicht der Frost, der den winterharten Pflanzen das Leben schwer macht, sondern die dadurch entstehende Trockenheit. So machen den winterharten Winterveilchen die klirrende Kälte und der eisige Frost nichts aus. Wenn die Erde jedoch durch den Frost gefriert und zugleich die Wintersonne auf die kleinen Veilchen scheint, entsteht ein Dilemma: Die Veilchen verdunsten Wasser, können aber aufgrund des Bodenfrostes kein neues Wasser aus dem Boden aufnehmen. Dies kann dazu führen, dass die Winterveilchen, obwohl sie ausgesprochen winterhart sind, im Winter eingehen – einfach, weil sie verdurstet sind.

Winterhart und fast schon unverwüstlich: die Winterveilchen ‚Ice Babies®‘

Wie kann man winterharte Pflanzen schützen?

Um winterharte Pflanzen vor der Frosttrocknis zu schützen, kann man die Pflanzen mit Reisig oder mit einer dünnen Laubschicht bedecken. Dadurch sind sie vor dem kühlen Wind und der austrocknenden Wintersonne geschützt. Wenn keine dauerhaften Fröste mehr zu erwarten sind, kann man die Abdeckung entfernen, damit die Pflanzen wieder Luft und Licht bekommen. Außerdem sollten die Pflanzen, sobald das Wetter wärmer wird, mit Wasser versorgt werden – zumindest, wenn der Boden trocken und nicht mehr gefroren ist! Denn man sollte die Pflanzen jetzt natürlich nicht im vorauseilenden Gehorsam ertränken. Hier sind einfach etwas Fingerspitzengefühl und Erfahrung gefragt. Da die deutschen Winter in den letzten Jahren jedoch selten lange Frostperioden hatten, hat man auch als unerfahrener Hobbygärtner kaum etwas zu befürchten. 😉

Achtung vor Staunässe im Winter

Doch nicht nur die Frosttrocknis, sondern auch eine zu hohe Nässe im Wurzelbereich gefährdet die Pflanzen im Winter. So kann eine dauerhafte Staunässe bei vielen Pflanzen zu Wurzelfäulnis führen. Bei Pflanzen im Kübel sollte man daher immer darauf achten, dass das Abzugsloch nicht verstopft oder zugefroren ist. Außerdem sollte man krautige Stauden wie Rittersporn oder Tränendes Herz nicht im Herbst zurückschneiden. Denn der Regen könnte nun direkt in die hohlen Stängel fließen. Treten dann Fröste auf, erfriert die Staude einfach.

Winterharte Pflanzen im Kübel

Eine Besonderheit sind Kübelpflanzen oder Balkonblumen. Denn auch als winterhart geltende Pflanzen freuen sich in diesem Fall über einen Kälteschutz, weil ihre Wurzeln im Topf nicht so gut geschützt sind. Am besten stellt man die Kübelpflanzen in eine Kiste mit Laub oder umwickelt sie mit Vlies oder Noppenfolie. Außerdem rückt man sie so nah wie möglich an die Hauswand ran. Kübelpflanzen, die nur bis -10 Grad winterhart sind wie das Balkon-Pfirsichbäumchen ‚Fruit Me® Peach Me‘ , können bei sinkenden Temperaturen auch vorübergehend in einer frostfreien Garage untergebracht werden.

Nicht-winterharte Wandelröschen können im Winterquartier überwintert werden

Winterhart versus frostempfindlich

Im Gegensatz zu winterharten Pflanzen vertragen frostempfindliche Pflanzen die eisigen Fröste nicht. Bei diesen Pflanzen gefriert die Flüssigkeit in den Blattzellen der Pflanze, sodass die Zellen platzen. Bei besonders frostempfindlichen Pflanzen genügt bereits eine frostige Nacht, um irreparable Frostschäden zu verursachen. Frostempfindliche Pflanzen wie Geranien, Zitrusgewächse, Wandelröschen oder Fuchsien sollten daher umgehend in ihr frostfreies Winterquartier gestellt werden, sobald die Temperaturen die 5-Grad-Marke knacken und die Gefahr von Nachtfrösten greifbar ist. Als frosthart bezeichnet man im Allgemeinen Pflanzen, die für unsere Breitengraden optimal angepasst sind, da sie Temperaturen bis zu -50 Grad vertragen.

Manche Pflanzen, die normalerweise keine Probleme mit Frösten haben, können aber auch in einer bestimmten Phase ihrer Entwicklung empfindlich auf Frost reagieren. So gelten beispielsweise Obstbäume als winterhart. Bilden sie jedoch im Frühjahr ihre ersten Blüten, sollte man die Obstbäume unbedingt vor Spätfrösten schützen, da ihre Blüten ausgesprochen frostempfindlich sind. 

Die wunderschönen Blüten der ‚Fruit Me® Peach Me‘ -Balkon-Pfirsiche sind frostempfindlich

Fazit:

Grob zusammengefasst, lassen sich folgende Punkte festhalten:

  • Mit dem Begriff „winterhart“ werden in der Regel Pflanzen bezeichnet, die den kalten, deutschen Winter im Freien ohne Probleme überleben.
  • Der Begriff „winterhart“ umfasst verschiedenste Faktoren wie Temperatur, Bodenart, Sonneneinstrahlung oder Luftfeuchtigkeit.
  • Die Einteilung in „winterhart“ und „nicht-winterhart“ ist abhängig vom Kontext: Eine Pflanze, die in Frankreich oder Italien winterhart ist, muss nicht zwingend deutsche oder polnische Winter überleben.
  • Bedingt winterharte Gartenpflanzen und winterharte Kübelpflanzen benötigen einen Frostschutz beispielsweise durch Vlies, Noppenfolie, Reisig oder Laub.
  • Die größte Gefahr für winterharte Pflanzen liegt in der Trockenheit, die durch langen Frostperioden entstehen kann. Hier sollte man die Pflanzen mit etwas Tannengrün, Reisig oder Laub vor der Austrocknung schützen.

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