Kann man umgeknickte Tomatenpflanzen retten?

Wenn man früh am Morgen den Garten betritt und seine Tomate in einer leichten Schieflage vorfindet, ist der Schreck erstmal groß: Die Pflanze ist umgeknickt! War die ganze Mühe nun umsonst? Das wäre doch so schade um die leckeren Früchte, auf die man sich schon seit dem Frühjahr freut.

Die beruhigende Antwort für alle leidenden Tomatenbesitzer lautet: In den meisten Fällen lässt sich eine umgeknickte oder sogar abgebrochene Tomate wieder retten. Allerdings hängt die Methode der Rettungsaktion von dem Ausmaß des Sturmschadens ab.

Abgebrochener Haupttrieb

Bevor man mit der Rettung seiner Tomate beginnt, muss man sich zunächst einmal verdeutlichen, wie die normalen Tomaten – keine Buschtomaten oder Zwergtomaten – aufgebaut sind: Aus dem Wurzelwerk wächst ein Haupttrieb, aus dem links und rechts Blätter und aus den Blattachseln Seitentriebe sprießen. Solche Seitentriebe oder auch Geiztriebe werden regelmäßig entfernt, damit die Tomate sich auf den Haupttrieb konzentrieren kann. Ist dieser Haupttrieb beispielsweise durch sehr schwere Früchte oder durch einen Sturm zur Seite gekippt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, wie man die Tomate retten kann.

Tomatenpflanze ist umgeknickt – was tun?

Wir haben verschiedene Szenarien durchgespielt – in der ersten Variante ist eine noch sehr junge Tomate umgeknickt, in der zweiten Variante handelt es sich um eine bereits mit Früchten behangene, größere Tomate. Zu den beiden Szenarien zeigen wir verschiedene Möglichkeiten, wie man die Pflanze wieder retten kann – je nachdem, ob die Tomate im unteren oder im oberen Drittel abgebrochen ist. Schau einfach mal, was bei Deiner Tomate zutrifft und was Du nun machen kannst!

Eine junge Tomate ist umgeknickt

Da aus kleinen Tomatenpflänzchen sehr schnell große Tomatenpflanzen werden, ist es wichtig, darauf zu achten, die Tomaten immer wieder mit Bindfäden zu stützen oder mit Klammern an einem Rankstab zu sichern. Ist eine Tomate nicht ausreichend stabilisiert, kann sie bei einem Sturm, bei einem Transport oder beim Umtopfen relativ schnell umknicken. Grundsätzlich kann man junge Tomaten jedoch leicht retten – und sogar eine zweite Pflanze aus dem abgeknickten Haupttrieb ziehen.

Tomaten sollten bereits zu Beginn sicher an einem Stab befestigt werden

1. Der Haupttrieb ist in der Mitte oder im oberen Drittel umgeknickt

Ist nur die obere Spitze oder das obere Drittel eines Haupttriebes bei einer jungen Tomate umgeknickt, kann man den Trieb einfach mit einem sauberen Messer abschneiden. Anschließend lässt man einfach einen der oberen Seitentriebe wachsen und bindet statt des alten Haupttriebes diesen neuen Seitentrieb nach oben – der Seitentrieb ist somit der neue Haupttrieb. Wer auf Nummer sicher gehen will, nimmt die obersten zwei Seitentriebe.
So geht man auch vor, wenn die Tomate genau in der Mitte abgebrochen ist: Einfach einen der Seitentriebe als neuen Haupttrieb fördern.

2. Der Haupttrieb ist im unteren Drittel umgeknickt

Wenn der Haupttrieb einer jungen Pflanze relativ weit unten umgeknickt oder abgebrochen ist, ist die einfachste und effektivste Lösung, ebenfalls den abgeknickten Haupttrieb zu entfernen und einen oder zwei Seitentriebe stehen zu lassen, die nun den Haupttrieb ersetzen.

Der Seitentrieb, der sonst ausgegeizt würde, bleibt nun stehen und wird neuer Haupttrieb

Dies ist jedoch nur möglich, wenn es unter der Bruchstelle bereits Seitentriebe gibt.
Ist die Pflanze ganz unten am Stiel abgebrochen und hat keinerlei Blattachsel, aus der ein neuer Geiztrieb entsprießen könnte, ist die Pflanze meist nicht mehr zu retten. Es wäre eventuell noch einen Versuch wert, sie mithilfe eines Holzstücks und etwas Klebeband zu schienen. Zur Stabilisierung sollte man die Pflanze zusätzlich so gut an dem Rankstab befestigen, dass die geschiente Pflanze auch bei einem erneuten Sturm zusammenhält.

Sind bereits zu viele Verbindungsstränge verletzt, sodass die Pflanze nicht mehr zusammenwächst, kann man den abgebrochenen Haupttrieb aber auch noch als Steckling verwenden, um so eine neue Tomatenpflanze zu ziehen. Dafür stellt man den Trieb für kurze Zeit ins Wasser, bis sich die ersten Wurzeln zeigen. Haben sich schon Blüten gebildet, werden diese abgeknipst. Auch einige Blätter sollten entfernt werden, damit die Pflanze ausreichend Kraft für den Haupttrieb aufbringen kann. Anschließend pflanzt man den Tomatensteckling in einen Kübel und stellt ihn zunächst an einen halbschattigen, geschützten Standort. Die Erde sollte zur Anfangszeit nicht austrocknen, sondern durchgehend feucht sein, damit der Steckling neue Wurzeln bilden kann und gut anwurzelt. Wächst die Tomate weiter und bildet neue Blätter aus, ist alles geglückt. Nun kann man die Tomate wieder sonnig stellen und wie die anderen Tomaten pflegen.

Junge Tomaten lassen sich demnach relativ problemlos retten. Doch wie sieht es mit einer größeren Tomatenpflanze aus, die bereits Früchte trägt? Was macht man mit ihr, wenn der Haupttrieb abgebrochen oder umgeknickt ist?

Eine mit Früchten behangene, große Tomate ist umgeknickt

Doch nicht nur junge Pflanzen können umknicken, auch ältere Pflanzen können unter der schweren Last der Früchte zusammenbrechen. Ist der Haupttrieb im oberen Bereich abgebrochen, ist die Lösung relativ einfach – schwieriger wird es, wenn die Pflanze im unteren Drittel umgeknickt ist.

Die große mit Früchten behangene Cherrytomate ‚Sanvitos®‘ (Favorita)

1. Der Haupttrieb ist im oberen Drittel oder in der Mitte umgeknickt

Es gibt zwei Möglichkeiten, wie man eine ältere Tomate, die bereits Früchte trägt, retten kann. Die erste Möglichkeit ist, den halb abgebrochenen Haupttrieb mit dem noch stehenden Haupttrieb zu verbinden, indem man sie schient. Dafür bringt man zunächst den oberen Teil ganz vorsichtig wieder in die ursprüngliche Position und führt die beiden Enden zusammen. Nun nimmt man ein Stück Holz, welches man an den beiden Enden mit Klebeband befestigt. Der Rest der Pflanze sollte zusätzlich mit Bindfäden oder anderen Halterungen soweit gesichert werden, dass die Konstruktion auch bei einem Windstoß hält.

Bruchstelle: Hier sind zu viele Verbindungsstränge beschädigt worden – man kann die beiden Enden des Haupttriebes nicht mehr miteinander verbinden

Diese Methode ist jedoch nicht erfolgsversprechend, insbesondere, wenn schon zu viele Verbindungsstränge gekappt sind. Vorsichtshalber sollte man daher erst mal auf das Ausgeizen, also das Entfernen der Seitentriebe verzichten. Denn wenn zu viele Kapillaren verletzt sind und der Haupttrieb nicht mehr zusammenwächst, ist die zweite, alternative Möglichkeit zur Rettung der Tomate gefragt – und für diese zweite Rettungsaktion benötigt man mindestens einen Seitentrieb. Dieser Seitentrieb wird nach oben geleitet und als neuer Haupttrieb behandelt. Der abgebrochene Haupttrieb hingegen wird mit einem sauberen Messerschnitt abgetrennt. Die Früchte des abgeschnittenen Haupttriebes werden geerntet und können, wenn sie noch nicht ganz reif sind, in einer Papiertüte nachreifen.

2. Der Haupttrieb ist im unteren Drittel umgeknickt

Eine sehr dramatische Situation erlebt der Tomatenbesitzer, wenn seine mit Früchten behangene Tomate fast komplett abgebrochen ist – nur der untere Teil der Pflanze steht noch; der Großteil lehnt an einer Wand oder liegt auf einer Nachbarpflanze. Ein erster Versuch, den man nun unternehmen könnte, wäre, die Pflanze mit einer Schiene zu stabilisieren und die beiden Enden des Haupttriebes so wieder miteinander zu verbinden.

Ist dies nicht möglich, da vielleicht schon zu viele Verbindungsstränge gerissen sind, wäre eine andere Option, den oberen abgebrochenen Teil der Pflanze sauber von dem stehenden Haupttrieb zu kappen und die noch nicht ausgereifte Früchte in einer Papiertüte nachreifen zu lassen. Nun kann man einen der neuen Seitentriebe als Ersatz für den eigentlich Haupttrieb hochleiten und gut sichern.

Der Seitentrieb ist der neue Haupttrieb –
es sieht dann später tatsächlich so aus, als ob es schon immer der Haupttrieb gewesen wäre, denn durch das Dickenwachstum wird alles andere zur Seite gedrückt

Ist die Pflanze ganz unten am Stiel abgebrochen und hat keinerlei Blattachsel, aus der ein neuer Geiztrieb entsprießen könnte, ist die eigentliche Pflanze leider nicht mehr zu retten. Doch es gibt noch einen dritten Lösungsweg, der es einem ermöglicht, in diesem Sommer frische Tomaten zu ernten! So kann man einen vorhandenen Seitentrieb oder den abgebrochenen Haupttrieb als Tomatensteckling verwenden. Dafür schneidet man einfach zwei Drittel des unteren Haupttriebes ab, sodass man nur noch eine kleine Pflanze von circa 20-30 cm hat. Die Früchte, Blüten und Blätter des oberen Triebes werden größtenteils entfernt. Die kleine Pflanze wird nun einige Tage ins Wasser gestellt, bis sich kleine Wurzeln gebildet haben, und anschließend in einen Kübel gepflanzt. Die Erde sollte gut durchfeuchtet sein und, während die Pflanze neue Wurzeln bildet, nicht austrocknen. Nach einiger Zeit kann man sich hoffentlich an einer neuen Tomatenpflanze mit neuen Blüten und Früchten erfreuen.

Robuste Tomatenpflanze mit vielen Früchten

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