Italienische Fleischtomaten grün ernten?

Fleischtomaten wie die französische Ochsenherztomate ‚Gourmandia‘ oder die italienische Fleischtomate ‚Delizia‘ begeistern in ihren Heimatländern mit Schnittfestigkeit und einem eher würzig-herben Geschmack. In Deutschland jedoch können viele Hobbygärtner dies nicht bestätigen. Woran könnte diese unterschiedliche Bewertung liegen?

Diese Antwort auf die Frage ist einfach: Es liegt an dem unterschiedlichen Erntezeitpunkt.
Wer einmal in Italien über einen der vielen kleinen Märkte geschlendert ist, wird vielleicht die grünen, leicht rosafarbenen Fleischtomaten bemerkt haben, die dort verkauft werden. Denn während in Italien und Frankreich die Ernte der italienischen Fleischtomaten beginnt, wenn sie quasi noch grün sind, wartet man in Deutschland meistens, bis sich die Tomate komplett rot gefärbt hat. Dann ist die italienische Fleischtomate jedoch schon zu reif und daher manchmal auch schon etwas weich und matschig.

Die Fleischtomate ‚Buffalosteak‘ ist jetzt eigentlich schon „überreif“. In Italien würde man sie daher bereits ernten, wenn sie um den Fruchtansatz herum noch grün ist.

Was hat es mit dem „Grünkragen“ auf sich?

Fleischtomaten grün zu ernten, wenn sie sich eigentlich noch rot färben sollten, widerstrebt im ersten Augenblick den meisten Hobbygärtnern. Sieht man doch im heimischen Supermarkt auch oft nur rote Fleischtomaten. Dies liegt allerdings daran, dass es sich hierbei in den häufigsten Fällen um niederländische Fleischtomaten handelt.
Die italienischen Fleischtomaten werden jedoch in einem Zustand geerntet, in dem sich nur an der Unterseite eine leichte Rotfärbung zeigt, um den Fruchtansatz herum aber noch ein „grüner Kragen“ ist. Daher bezeichnet man diese Sorten auch als „Grünkragen-Typen“.

Doch jetzt wird es etwas kompliziert. Denn der ein oder andere wird den Begriff „Grünkragen“ auch noch aus einem anderen Zusammenhang kennen. „So besitzen manche ältere Sorten wie zum Beispiel ‚Halfgroen’-Typen oder auch die bekannte Sorte ‚Harzfeuer’, die sich zwar durch einen besonders aromatischen Geschmack auszeichnen, leider zugleich eine hohe Empfindlichkeit gegen zu viel Sonne und Trockenheit. Die Folge ist dann manchmal „Grünkragen“; also ungenießbares hartes gelbes Gewebe rund um den Fruchtansatz“, erklärt Gartenbauingenieur und Spezialist für Nutzpflanzen Raimund Schnecking. Dieses Gewebe muss man vor dem Verzehr wegschneiden.

Als Grünkragen bezeichnet man also einerseits das ungenießbare, harte gelbe Gewebe, das vorrangig bei alten Tomatensorten auftritt, die empfindlich auf Sonne und Trockenheit reagieren; andererseits umfasst der Begriff „Grünkragen-Typen“ eine ganz spezielle Reihe an Tomaten, die zum Beispiel zu den Typen Coeur du Boeuf oder Marmande zählen, die bei der Ernte ebenfalls einen „grünen Kragen“ haben, der jedoch essbar ist! Zu diesen Tomatentypen gehören beispielsweise die Sorten ‚Buffalosteak‘, ‚Delizia‘, ‚Gourmandia‘ oder ‚Corazon‘.

Dieses Foto zeigt erntereife Früchte sowie eine überreife rote Frucht.

In Italien ein kulinarischer Genuss!

Auch wenn in den grünen Tomaten etwas mehr Solanin enthalten ist, als in den roten Tomaten, werden diese italienischen Fleischtomaten klassischerweise gegessen, wenn sie noch leicht grün sind. Denn dann erst kommt der Geschmack zur Geltung – besonders mit Olivenöl sind sie ein Genuss! Die Tomaten kann man daher ganz unbesorgt essen, man sollte nur nicht mehrere Kilos täglich verzehren – aber das sollte man wohl bei keinem Gemüse oder Obst. 😉

Neben den Fleischtomaten, die man grün erntet, obwohl sie noch rot werden könnten, gibt es auch grüne Tomatensorten oder auch grün-gelb-gestreifte Tomatensorten wie diese Gelbe Tigertomate ‚Tiverta‘

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