Die grüne Fragestunde – 10 Fragen zu Pflanzen im August

Ob über Instagram, Facebook oder per Mail – täglich erhalten wir von euch Fragen rund um das Thema „Gärtnern“. Daher haben wir beschlossen, eine neue Rubrik einzuführen: „Die grüne Fragestunde“. In dieser grünen Fragestunde beantworten unsere Pflanzenexperten Volker Schevel, Raimund Schnecking und Tobias Evels einmal im Monat die 10 häufigsten Fragen zu Pflanzen, die unsere Leser und Leserinnen uns gestellt haben.

Wenn Dir auch eine Frage auf der Seele brennt, zögere nicht, uns einen Kommentar, eine Mail oder eine Nachricht über einen unserer Social-Media-Kanäle zu stellen. Von Flecken auf Gurkenblättern, falschen Früchten und unsichtbaren Schädlingen – alles, was das Thema Gärtnern betrifft, ist herzlich willkommen. Die häufigsten Fragen werden dann hier in der grünen Fragestunde noch einmal für alle öffentlich „abgedruckt“ – denn oft ist man nicht der einzige, der sich wundert, warum die Himbeeren gelb werden oder weshalb die Erdbeeren trotz Wasserzufuhr vertrocknen.

Und dann kann es auch schon losgehen mit den 10 Fragen!


1. Runde Zucchini statt Melone

Meine Mini-Wassermelone ‚Mini Love‘ sieht aus wie eine runde Zucchini? Ist das normal?

Theo über Facebook

Nein, das klingt jetzt nicht so „normal“. Ich vermute, dass hier die Unterlage der Wassermelone durchgebrochen ist.

So sollte eine kleine Mini-Wassermelone aussehen!

Denn wenn Du unsere Mini-Wassermelone ‚Mini Love‘ als fertige Pflanze in einer Gärtnerei oder bei uns im Online-Shop gekauft hast, handelt es sich um eine veredelte Pflanze.
Veredelt bedeutet, dass eine Kulturpflanze, in dem Fall also die Wassermelone, auf eine Unterlage, hier vermutlich ein Kürbis, gesetzt wurde. Das macht man, weil die Unterlage widerstandsfähiger und robuster gegen Wurzelkrankheiten ist, die die Wurzeln der Melone angreifen könnten. Wenn nun die Melone auf dem Kürbis „sitzt“ und quasi auf ihm weiter wächst, dann nutzt sie die widerstandsfähigen Wurzeln des Kürbisses. Allerdings kann es passieren, dass die Unterlage, also der Kürbis, „ausbricht“. Das bedeutet, dass er unterhalb der Veredelungsstelle einen Trieb bildet. Ein solcher Trieb sollte frühzeitig entfernt werden. Denn wenn er nicht entfernt wird, bildet der Kürbis hier Früchte – und die Melone hat weniger Kraft, um Melonenfrüchte zu bilden. Dann kann es passieren, dass man entweder an einer Pflanze zwei verschiedene Früchte hat – Melonenfrüchte und Kürbisfrüchte. Oder man hat, wenn sich die Unterlage durchgesetzt hat, nur Kürbisfrüchte. Diese sind jedoch nicht essbar, da es sich hier meist um einen Unterlagenkürbis handelt.

Volker Schevel,
Experte für Zierpflanzen, Gärtner & Gartenbauingenieur bei Volmary

Die Veredelungsstelle am Beispiel an einer veredelten Tomatenpflanze

2. Zucchiniblüten fallen ab

Ich habe an meiner Zucchini Blüten, bei denen jedoch der Fruchtansatz verschrumpelt ist und somit nicht weiter wächst. Woran kann das liegen? Ich habe sie extra mit einem Pinsel bestäubt!

Sina per Mail

Es könnte sein, dass, wenn die weiblichen Blüten verschrumpeln beziehungsweise abfallen, dies ein Zeichen dafür ist, dass die Pflanze nicht genug Kraft hat. Dies kann phasenweise, zum Beispiel nach ein paar kühleren Sommertagen, auftreten. Dann ist die Pflanze geschwächt und hat keine Kraft für alle kleinen Früchte. Auch bei Melonen oder Gurken ist dieses Phänomen bekannt.

Abgestoßene Zucchinifrucht

Es ist daher ganz normal, dass sie die Blüten – oder auch kleine Früchte – abstößt. Das sollte sich aber nach einiger Zeit geben. Wichtig ist, dass die Pflanze regelmäßig Wasser und Nährstoffe bekommt.

Um Deine Pflanze zu unterstützen, kannst Du einige der kleinen Früchte abschneiden. So kann sich die Pflanze mit ihrer Kraft erstmal auf die Ausbildung weniger Früchte konzentrieren.

Raimund Schnecking,
Gemüsespezialist, Gärtner & Gartenbauingenieur


3. Farblose Himbeeren

Meine Himbeerpflanze hat an manchen Stellen braune Blätter und die Früchte sind teilweise gelb beziehungsweise farblos statt rosa. Warum?

Isabella per Mail

Deine Himbeeren haben vermutlich einen Sonnenbrand bekommen. Das ist nicht weiter schlimm. Die Himbeeren kannst Du trotzdem problemlos essen, aber vielleicht versuchst Du, Deine Himbeere etwas schattiger zu stellen oder zu beschatten.

Raimund Schnecking,
Gemüsespezialist, Gärtner & Gartenbauingenieur


4. Gelbe Gurkenblätter

Die Blätter meiner Gurke sehen leicht gelblich aus, haben helle Stellen und verwelken an den Seiten; die kleinen Früchte sehen gerade auch etwas mickrig aus. Die Gurke steht eher halbschattig und warm. Ein Sonnenbrand dürfte es also nicht sein. Ich vermute einen Schädling, kann aber nichts erkennen. Was könnte es sein?

Sabrina über Telegram

Auch wenn mit dem bloßen Auge nichts zu erkennen ist, liegst Du ganz richtig damit, hier einen Schädling als Verursacher zu vermuten. Aufgrund des Fotos vermuten wir, dass es sich um Spinnmilben handelt. Sie saugen den Pflanzensaft der Pflanze und hinterlassen dabei diese hellen Stellen.

Um herauszufinden, ob es sich wirklich um Spinnmilben handelt – denn sie sind mit bloßem Auge kaum zu erkennen, kann man die Blätter mit etwas Wasser aus einer Sprühflasche besprühen. Wenn nun kleine Gespinste zu sehen sind, sind Spinnmilben am Werk. Dann solltest Du die Blätter – besonders die Blattunterseiten – alle drei bis vier Tage mit einem leicht feuchten Tuch abwischen, um alle Spinnmilben (auch die frisch geschlüpften) zu entfernen. Außerdem hilft ein selbst gemachtes Rapsöl-Wassergemisch, welches Du mit einer Sprühflasche aufträgst. Das Öl verklebt die Atemwege der Spinnmilben, sodass sie sterben. Daher ist es wichtig, wirklich gründlich zu sprühen. Dann wird sich Deine Gurke schnell wieder erholen!

Raimund Schnecking,
Gemüsespezialist, Gärtner & Gartenbauingenieur bei Volmary


5. Echter Mehltau an Kürbis

Mein Kürbis bekommt Echten Mehltau auf den Blättern, dabei gieße ich ihn direkt an die Wurzeln und er hat auch genug Platz, um sich zu entfalten. Was läuft da schief?

Stefan per Mail

Im Spätsommer bei diesem Wetter ist es fast schon verwunderlich, wenn Kürbis keinen Mehltau bekommt 😉 Aber Spaß beiseite, solange die Pflanze stetig gesunde Blätter hervorbringt und auch sonst kraftvoll und vital aussieht, scheint der Mehltau für sie kein Problem darzustellen. Hilfreich ist jedoch, nun eine Milch-Wasserlösung (Verhältnis 1:8) herzustellen, mit dem man die Pflanze regelmäßig einsprüht; am besten in den frühen Morgen- oder Abendstunden, wenn die Sonne nicht mehr allzu stark scheint, es aber warm genug ist, dass die Blätter trocknen können. Auch gibt es in Gärtnereien und Gartencentern wirksame Bio-Präparate, mit denen man dem Echten Mehltau beikommen kann.

Volker Schevel,
Experte für Zierpflanzen, Gärtner & Gartenbauingenieur bei Volmary


6. Ausläufer bei Erdbeeren

Ich habe Erdbeere ‚Elan‘ in eine Ampel gepflanzt. Sie trägt auch leckere Früchte, hat jetzt aber auch ein paar lang herunterhängende Triebe. Soll das so sein?

Karl per WhatsApp

Es könnte sich bei den langen Trieben um die Ausläufer der Erdbeere handeln. Diese schneidet man am besten ab, da die Pflanze sonst viel Kraft verliert, die sie für die Ausbildung der Blüten und Früchte braucht.

Raimund Schnecking,
Gemüsespezialist, Gärtner & Gartenbauingenieur


7. Verblühtes entfernen

Muss ich das Verblühte vom Flieder abschneiden oder lass ich das einfach stehen?

Britta über Facebook

Flieder ist, was die Pflege und den Standort betrifft, relativ anspruchslos, doch zurückschneiden sollte man ihn regelmäßig, damit er im Laufe der Jahre nicht seine Blühfreude verliert. Dafür schneidet man einfach die Dolden ab, sobald sie verblüht sind – das kann auch schon im Juni sein. Setzte die Schere am besten hinter einem voll ausgebildeten Blattpaar ab und schneide hier die verblühten Dolden ab.

Volker Schevel,
Experte für Zierpflanzen, Gärtner & Gartenbauingenieur bei Volmary


8. Reifegrad der Zuckermelone

Wie erkenne ich, ob meine Zuckermelone reif ist?

Birgit per Mail

Ob die Zuckermelone reif ist, erkennt man daran, dass sich der Stiel und die Frucht um den Stielansatz herum gelb färben. Außerdem können um den Stielansatz herum kleine Risse entstehen, bei denen sich kleine, orangefarbene Zuckertropfen auf der Oberfläche bilden.

Raimund Schnecking,
Gemüsespezialist, Gärtner & Gartenbauingenieur


9. Himbeeren schneiden

Muss ich meine Himbeeren komplett runterschneiden, wenn ich die letzten Früchte geerntet habe?

Josy über WhatsApp

Das kommt ein wenig darauf an, ob es sich um Gartenhimbeeren (auch Herbsthimbeeren genannt) oder frühe Himbeeren (auch Sommerhimbeeren genannt) handelt. Die Gartenhimbeeren sind nämlich einjährig fruchtend, das bedeutet, dass sie am einjährigen Holz Früchte tragen. Die frühen Himbeeren jedoch tragen erst an den zwei Jahre alten Ruten Früchte, sie sind also zweijährig fruchtend. Wenn Du eine Gartenhimbeere hast, kannst Du alle Zweige nach der letzten Ernte oder im Frühjahr bodennah zurückschneiden. Im kommenden Jahr bilden die Himbeeren neue Zweige, an denen sie Früchte tragen.

Die ‘Ruby Beauty’ ist beispielsweise eine zweijährig fruchtende Himbeere – daher nicht alle Zweige einfach abschneiden!

Wenn Du jedoch eine frühe Himbeere hast, bei der erst die zweijährigen Ruten Früchte tragen, kannst Du nicht rigoros alle Zweige herunterschneiden, denn dann würdest Du Dich um Deine Ernte im nächsten Jahr bringen! Schneide nur die Zweige herunter, an denen Früchte gehangen haben – alle übrigen Zweige lässt du stehen, damit sie im folgenden Jahr Früchte tragen können!

Meine einfache Regel lautet daher für alle Himbeeren (und auch Brombeeren): Schneide alles ab, was getragen hat – und lass alles stehen, was noch nicht getragen hat. Bei frühen Himbeeren bleiben dann ein paar Zweige stehen, bei Gartenhimbeeren nicht 😊

Raimund Schnecking,
Gemüsespezialist, Gärtner & Gartenbauingenieur


10. Erdbeeren vor Sonne schützen

Meine Erdbeerpflanze (Summer Breeze Rose) wächst im Balkonkasten, auf meinem Südbalkon, und bekommt ausreichend Wasser, aber die Blätter vertrocknen einfach. Ich dünge sie alle 7-10 Tage. Was soll ich nun machen?

Nadine über Telegram

Aufgrund der sonnigen Lage und der gerade herrschenden Temperaturen, könnte es sein, dass die Erdbeerpflanze einen Sonnenbrand bekommen hat; die Blätter sind einfach verbrannt, weil es so heiß war. Eine Lösung hierfür wäre, sie schattiger zu stellen. Wenn das nicht möglich ist, bleibt nur abzuwarten, bis es wieder kühler wird. Vielleicht kann sich die ‚Summer Breeze Rose‘ dann noch erholen und neue Früchte tragen – bis irgendwann der erste Frost auftritt.

Es kann aber auch daran liegen, dass sie unter zu viel Feuchtigkeit leidet. Gerade wenn es heiß ist, soll man zwar viel gießen, doch sollte man dabei weiterhin auf die schon vorhandene Feuchtigkeit des Substrats achten. Denn auch wenn die Erde an der Oberfläche trocken ist, kann es sein, dass sie 1 cm darunter noch feucht ist. Wenn man nun täglich gießt, auch wenn die Erde eigentlich noch feucht ist, bekommen die Wurzeln Probleme, denn Wurzeln brauchen nicht nur Feuchtigkeit, sondern auch Sauerstoff. Deshalb sollte man die Erde ruhig zwischen den Gießeinheiten mal antrocknen lassen, auch wenn die Erdbeere mittags die Blätter hängen lässt. Meist richtet sie sich abends wieder auf, wenn die Sonne verschwunden ist!

Raimund Schnecking,
Gemüsespezialist, Gärtner & Gartenbauingenieur


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Kleiner Hinweis: Die Fragen sind, wenn nötig, anonymisiert worden. Also hab keine Hemmung oder Scheu, wenn Du auch etwas von unseren Pflanzenprofis wissen möchtest! 🙂


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2 Kommentare

  • In meinem Hochbeet keimen die Radieschen zwar gut (gesät im Juli) , aber es bilden sich keine Früchte
    aber reichlich Blätter. Was mache ich falsch???

    • Hallo Claudia, kann es sein, dass Du die Radieschen zu eng gesät hast? Die Pflanzen brauchen Platz, um Früchte zu bilden, und wenn sie zu eng stehen, kann es sein, dass sich leider keine bilden können. Du könntest aber jetzt noch mal neue Radieschen aussäen und sie dann vereinzeln oder direkt mehr Platz einplanen.
      Liebe Grüße & viel Erfolg,
      Arabelle

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