Chili-Aussaat: eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Chilis sind ausgesprochen pflegeleichte und genügsame Pflanzen, die im Sommer mit scharfen oder auch milderen Früchten begeistern. Wie man Chilis aussät und was man bei der Chili-Aussaat beachten sollte, erfährst Du in diesem Beitrag.

Chilis gehören zu den beliebtesten Pflanzen im Gemüsegarten oder auf dem Naschbalkon. Das ist auch kein Wunder, schließlich sorgen die Früchte der Pflanze nicht nur für eine gewisse Schärfe im Essen, sondern sehen dazu noch sehr ansprechend aus. Zudem ist die Vielfalt der Chilisorten sehr breit gefächert, sodass für jeden was dabei ist: Für ausgemachte Chili-Fans sind die schärfsten Chilis der Welt wie der Trinidad Scorpion Chili ‚Fortado® Red‘ perfekt, aber auch verschiedene Habanero-Sorten sorgen für kleine Feuer im Mund. Deutlich milder sind hingegen die Peperonis ‚Fireflame‘ und ‚Hot Lyric®‘, die für Einsteiger perfekt geeignet sind. Eine Übersicht über die unterschiedlichen Schärfegrade der verschiedenen Chili-Sorten findet ihr im Beitrag „Drachenfeuer – die schärfsten Chilis der Welt“.

Chili-Aussaat: Chilis gibt es für verschiedenste Geschmäcker

Chili-Aussaat

Wenn man ein paar Punkte berücksichtigt, ist es gar nicht so schwer, Chilis auszusäen und vorzuziehen. Damit bei der Chili-Aussaat auch wirklich nichts schief geht, gibt es von unserem Gemüseexperte Raimund, Gartenbauingenieur & Gärtner, noch ein paar Extra-Tipps!

Der Aussaat-Zeitpunkt für Chilisamen

Chilis kann man bereits ab Mitte Dezember aussäen. Allerdings benötigt man bei dieser frühen Aussaat zusätzliche Lichtquellen, da es den Chilis sonst zu dunkel ist. Deshalb lautet die Empfehlung von Raimund, die Chilis im Februar auszusäen, wenn die Tage wieder länger geworden sind und die Sonne an Kraft gewonnen hat. Spätestens Ende März sollten die Samen unter der Erde sein, wenn man im Sommer eine ertragreiche Ernte haben möchte. Denn in der Regel brauchen Chilis vier bis sechs Monate von der Aussaat bis zur ersten Ernte. Dabei gehören die karibischen Chilisorten wie der Habanero-Chili ‚Calita® Orange‘ oder der Trinidad Scorpion Chili ‚Fortado® Red‘ (Capsicum chinense) zu den langsameren Sorten. Meist kann man bei einer Aussaat im Februar oder März erst im Spätsommer oder Herbst mit der Ernte rechnen. Die Peperoni ‚Fireflame‘ und oder der Jalapeno-Chili ‚Samira® Shiny‘ (Capsicum annuum) begeistern hingegen schon ab Juli mit den ersten roten Früchten.

Chilisamen direkt aus der Tüte

Die Materialien für die Chili-Aussaat

Das brauchst Du für die Chili-Aussaat:

  • Chilisamen – ich habe mich für die klassische, rote Peperoni ‚Fireflame‘ entschieden – und weil ich auch ungewöhnliche Chilis mag, kommt noch die schokobraune Balkon-Chili ‚Hot Chocolate‘ dazu. Eine große Auswahl an Chilisamen findest Du hier.
  • Kleine Behälter
  • Anzuchterde
  • Evtl. Sand
  • Gießkanne mit Brauseaufsatz und/oder Sprühflasche
  • Einen hellen, warmen Standort (zwischen 24 und 30 Grad)
  • Kennzeichnung für die Chilisorte z.B. kleine Namensschilder

Tipp von Raimund: „Wer möchte, kann die Chilisamen einige Stunden in einer Schüssel mit lauwarmem Wasser vorquellen lassen. Das erleichtert den Keimungsprozess.“

Vorbereitung für die Chili-Aussaat: Beschriftungen erleichtern später die Zuordnung der Pflanzen

Und los geht’s mit der Chili-Aussaat!

1. Gefäße vorbereiten

Für die Aussaat kannst Du verschiedenste Behälter nutzen – alte (gut gesäuberte) Blumentöpfe, einen alten Joghurtbecher (mit kleinen Löchern am Boden), Anzuchttöpfchen oder größere Plastikschalen.
Diese befüllst Du zunächst mit etwas Sand. Der Sand sorgt für eine längere Feuchtigkeit im Topf. Anschließend füllst Du den Topf bis knapp unter dem Rand mit Anzuchterde auf. Es sollte sich bei der Erde um spezielle Anzuchterde handeln, da diese nur wenig Keime besitzt. Zudem ist die Anzuchterde nährstoffarm, was dazu führt, dass die Pflanzen kräftige Wurzeln bilden. In vorgedüngter, also nährstoffreicher Erde würden die kleinen Pflanzen zwar schneller nach oben wachsen, die Wurzeln blieben jedoch mickrig. Anschließend wird die Erde etwas angedrückt.

Eine Plastikschale mit Löchern am Boden ist ideal – damit es die Wurzeln schön dunkel haben, habe ich die Seiten der Plastikschale mit dunklem Tonpapier umgeklebt.

Als Alternative zur klassischen Variante kann man auch spezielle Quelltöpfchen oder biologisch abbaubare Anzuchttöpfchen kaufen.
Tontöpfe sind für die Anzucht eher weniger gut geeignet, da sie stärker Wasser an die Luft abgeben und dadurch eine Verdunstungskälte entsteht, die die Chilis nicht so gerne haben.

2. Chilis säen & angießen

Bohre mit dem Finger oder einem Bleistift ein kleines Loch in die Erde und setze einen Chilisamen hinein. Anschließend bedeckst Du die Samen leicht mit der Anzuchterde (ca. 0,2 – 0,5 cm) und begießt sie mit Wasser, sodass die Erde gut durchfeuchtet wird. Nutze dafür eine Gießkanne mit sehr feiner Brause.

Tipp von Raimund: „Wenn Du mehrere Chilisamen in ein größeres Behältnis wie zum Beispiel in eine Anzuchtschale aussäen möchtest, kannst Du die Anzuchterde bereits vor der Aussaat mit Wasser begießen. So ist die Erde bereits gut durchfeuchtet und Du musst sie nach dem Aussäen der Chilisamen nicht noch einmal begießen, sondern nur mit einer Sprühflasche besprühen.
Die Samen in die trockene Erde auszusäen und anschließend nur mit einer Sprühflasche zu sprühen, ist meist nicht ausreichend, um die Erde wirklich gut zu durchfeuchten.“

Wer mehrere Samen in einer größeren Schale aussäen möchte, kann daher einfach so vorgehen:

1. Anzuchterde in das Gefäß füllen, andrücken und mit Wasser begießen, sodass die Erde gut durchfeuchtet wird – das Wasser sollte durch Löcher in der Schale ablaufen können!
2. Die Samen in einem Abstand von 2-5 cm auf der Erde verteilen.
3. Anzuchterde über die Samen streuen (0,2 – 0,5 cm).
4. Die frische Anzuchterde und die Samen mit einer Sprühflasche besprühen, sodass auch die oberste Erdschicht gut durchfeuchtet wird.

3. Keimung fördern & Samen pflegen

Die Erde sollte, bis sich die ersten Keimlinge zeigen, immer gut durchfeuchtet sein – das bedeutet jedoch nicht, dass die Erde vor Wasser triefen soll. Am besten überprüfst Du täglich, dass sich die Erde immer schön feucht anfühlt.

Tipp von Raimund: „Bedecke die kleinen Chilipflanzen mit einer Frischhaltefolie, die Du zum Beispiel mit einem Tesafilm an den Seiten befestigst. Dieses kleine, selbst gebastelte Mini-Gewächshaus sorgt für eine hohe Luftfeuchtigkeit und schützt damit auch vor dem zu schnellen Austrocknen.“

Neben der Feuchtigkeit ist auch Wärme unabdingbar für die Keimung. Erst wenn die Voraussetzungen erfüllt sind, kann der Samen keimen. Chilisamen fühlen sich bei Temperaturen von 25 bis 30 Grad wohl. Auch 20 Grad sind für die Chilipflanzen durchaus noch im Rahmen. Allerdings dauert die Keimung länger, je kühler es ist. Entweder stellt man die Samen daher nah an die Heizung oder nutzt eine Heizmatte, die man unter die Töpfe legt. Natürlich kann man auch ein beheiztes Mini-Gewächshaus kaufen.

Da die Samen, sobald sie durch die Erddecke durchstoßen, neben Wärme und Feuchtigkeit auch viel Licht benötigen, ist ein heller Fensterplatz die ideale Standortwahl. Spätestens wenn die ersten Triebe vorhanden sind, ist ein heller und sonniger Standort unabdingbar, damit die kleinen Pflanzen zu kräftigen Pflanzen heranwachsen.
Die Heizdecke kannst Du nun allerdings ausschalten. Optimal sind jetzt Temperaturen zwischen 18 und 25 Grad. Auch die Folie solltest Du entfernen, sobald sich nach die ersten Keimlinge zeigen.


Merkblatt für die Chili-Aussaat

Nach der erfolgreichen Aussaat: Chilis pikieren

Bei einer erfolgreichen Aussaat zeigen sich nach zwei bis drei Wochen bei den meisten Chilisorten die ersten Keimblätter. Wenn sich dann auch noch das erste echte Blattpaar bildet, ist die Zeit gekommen, die kleinen Pflänzchen zu pikieren. Pikieren bedeutet, dass man die Pflanzen vereinzelt, also jedes kleine Pflänzchen aus dem Anzuchttöpfchen auspflanzt und in ihren eigenen Topf einpflanzt. Doch worauf muss man beim Pikieren achten?

Die kleinen Chilikeimlinge sind bereit für ihren eigenen Topf!

1. Schritt: Pikieren

Zunächst werden die Pflanzen vorsichtig ausgepflanzt. Dafür kann man auch einen Pikierstab zu Hilfe nehmen, mit denen man die Pflanzen vorsichtig „ausgräbt“.
Beim Vereinzeln sollte man aufpassen, dass man die Wurzeln nicht zu stark beschädigt. Allerdings kann es passieren, dass sich die Pflanzen nicht so leicht lösen wollen. Wenn die Wurzeln dabei ein wenig zu Schaden kommen, muss das nicht zwangsläufig zum Aus der Pflanze führen. Im Gegenteil: Durch das Anreißen kann sogar das Wurzelwachstum der Chilipflanzen angeregt werden. Dennoch empfiehlt es sich, lieber etwas zu vorsichtig, als zu rabiat zu sein.

Die kleinen ‚Fireflame‘-Keimlinge werden pikiert

2. Schritt: Einpflanzen

Nun werden die Pflanzen in neue Töpfe gepflanzt. Jede Pflanze sollte einen Topf mit mindestens 6 cm Durchmesser, besser 10-12 cm Durchmesser, bekommen. Die Töpfe werden mit einem Gemisch aus Anzuchterde und hochwertiger Pflanzenerde aufgefüllt. Nun wird mit einem Stab oder mit dem Finger ein Loch in die Erde gebohrt, in das die Chilipflanze hineingesetzt wird. Danach wird alles gut angedrückt und noch ein wenig Erde hinzugefügt. Denn die Pflanzen sollten nun etwas tiefer gepflanzt werden, als sie vorher standen. Am besten pflanzt Du sie bis kurz unter die beiden ersten Keimblätter in die Erde. Anschließend werden die kleinen Pflanzen gut angegossen.
Den Topf mit der Chilipflanze kannst Du nun wieder an einen hellen und warmen Ort stellen. Pralle Sonne vertragen sie nach dem Umpflanzen jedoch nicht sofort wieder.

Tipp von Raimund: „Die Chilis nicht von oben gießen, sondern das Wasser direkt an die Wurzeln geben. Dadurch beugt man Pilzerkrankungen vor und vermeidet Verbrennungen durch die Sonnenstrahlen.“

Der kleine Keimling wird nun in seinen neuen Topf gepflanzt

Chilis auspflanzen

Wenn die Chilis den alten Topf gut durchwurzelt haben, was abhängig von der Sorte und von der Größe des Topfes ist, werden die Pflanzen in ein größeres Gefäß umgepflanzt oder ins Freiland gepflanzt. Der Kübel sollte eine Mindestgröße von 25 cm Durchmesser haben. Es gibt jedoch auch Chilipflanzen, die speziell für Balkone gezüchtet wurden. Dazu gehört beispielsweise die Balkon-Chili ‚Hot Burrito‘ oder die Balkon-Chili ‚Hot Chocolate‘. Diese Chilis können auch in etwas kleinere Kübel (ca. 20 cm Durchmesser), Ampeln oder Balkonkästen gepflanzt werden.

Achtung: Vor den Eisheiligen Mitte Mai solltest Du Deine Chilis nicht in den Garten pflanzen, da Chilis frostempfindlich sind! Du kannst Deine Chilis jedoch schon an schönen, warmen Apriltagen auf den Balkon oder die Terrasse stellen. So kannst Du sie ein wenig an ihre neue Umgebung gewöhnen. Allerdings darf man natürlich nicht vergessen, die jungen Pflanzen gegen Abend wieder ins Haus zu holen.

Chili in Töpfe pflanzen

Wenn Du Deinen Chili in einen Kübel pflanzen möchtest, befüllst Du den Kübel vorher mit hochwertiger, vorgedüngter Erde. Ist die Erde nicht vorgedüngt, solltest Du Langzeitdünger in die Erde einarbeiten. Schließlich braucht die Pflanze – nun, da sie ein gutes Wurzelwerk ausgebildet hat – viele Nährstoffe, um kräftig zu wachsen und erste Blüten zu bilden. Nach dem Einpflanzen gießt Du die Pflanze ordentlich mit Wasser an. Nach ungefähr acht Wochen kannst Du die Pflanze alle zwei Wochen mit Flüssigdünger unterstützen, den man zum Gießwasser hinzufügt.

Tipp von Raimund: „Jeder Umzug bedeutet für die Chilipflanze Stress. Deshalb sollte dies der letzte Umzug sein. Man könnte die Pflanze sogar schon direkt nach dem Pikieren in den richtigen Sommertopf pflanzen! Gib dafür zunächst normale, vorgedüngte Erde in den Topf und fülle das obere Drittel mit Anzuchterde auf.“

Chili in den Garten pflanzen

Du kannst Deine Chilipflanze natürlich auch in den Garten pflanzen. Dafür suchst Du Dir am besten einen sonnigen und geschützten Standort – zum Beispiel unter einem Vordach. Grabe die Erde gut um und entferne jegliches Unkraut. Anschließend arbeitest Du Langzeitdünger in die Erde ein, setzt die Pflanze in das Loch und schüttest es wieder mit Erde zu. Abschließend muss die Erde um die Pflanze herum ordentlich bewässert werden, damit die Pflanze gut anwurzeln kann.

So sieht die Peperoni ‚Fireflame‘ im Sommer aus – lauter leuchtend rote Früchte!

Wie Du Deine Chilis weiter pflegen musst, um Dich im Sommer über eine schöne Chiliernte zu freuen, erfährst Du hier:

Mehr von Arabelle

Kübelpflanzen umtopfen – ein paar Tipps

Kalkablagerungen auf der Erdoberfläche, unstimmige Proportionen von Gefäß und Pflanze oder Wurzeln,...
Weiterlesen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.